Nauwieser Fest auf der Kippe

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Mittwoch, 30. März 2016

Nauwieser Fest auf der Kippe

Veranstalter am Ende der Reserven – Suche nach Sponsoren gestaltet sich schwierig

Von Martin Rolshausen, Saarbrücker Zeitung 30. März 2016

Steigende Kosten, vor allem für Sicherheitsauflagen, zwingen die Viertelfest-Organisatoren von Rockstar e.V. in die Knie. Der Verein sucht händeringend neue Sponsoren, auch kleine Summen können schon helfen.

St. Johann. 14-mal ist alles gut gelaufen. Bei den Vorbereitungen zum 15. Nauwieser Fest haben die Männer vom Rockstar e.V. gemerkt: Es wird eng. Andreas Borger, einer derer, die das Fest organisieren, spricht von einer „Unterdeckung von rund 10 000 Euro“. Es sei „alles teurer geworden“, und auch für Sicherheitsauflagen müsse „der Verein zur Förderung der schönen Künste“ mehr Geld ausgeben als bisher. Darüber wolle er auch gar nicht jammern, sagt Borger. Das Problem sei nur: Der gemeinnützige Verein habe keine Reserven – und wenn sich nicht mehr Sponsoren als bisher finden, dann sei das Fest ernsthaft in Gefahr.

Einige der langjährigen Sponsoren, etwa die Brauereien, haben ihr Engagement fürs Nauwieser Fest eh schon verstärkt, sagt Borger. Auch bei den Standmieten sei nichts mehr zu machen. Neue Sponsoren zu finden, habe sich bisher als schwierig erwiesen. „Das Nauwieser Fest ist keine Leuchtturmveranstaltung wie das Saar-Spektakel oder das Altstadtfest“, erklärt er.

Nachdem klar war, dass der Verein das finanzielle Risiko nicht tragen kann, habe man mit der Stadtverwaltung gesprochen. Die habe darum gebeten, dass der Verein das Fest weiter organisiert. Eine Vereinbarung gab es nicht. Und die Vereinsleute haben es auch nicht übers Herz gebracht bei ihrem „Wir schaffen das finanziell nicht. Wir hören auf“ zu bleiben. Wenn die Stadt das Fest selbst übernehmen würde, würde es wohl teuerer als bisher, vermutet der Verein. Viele der Helfer arbeiten zum „Freundschaftspreis“. Der Verein hat auch einen „großen Helferstamm, auf den wir uns verlassen können“, sagt Borger.

Also wurde neu nachgedacht. Das Ergebnis: 50 000 zusätzliche Euro hat der Verein inzwischen so gut wie sicher. Love A, Steakknife, Pascow und Illegale Farben – vier Bands, die seit Jahren immer wieder auf dem Fest spielen – nehmen eine Platte auf. Eine echte Schallplatte aus Vinyl. Die Bands, sagt Andreas Borger, seien bundesweit bekannt, und eine Vinylplatte habe einen höheren Sammlerwert als eine CD – bringe also mehr Geld fürs Fest. „Das mit der Platte hatten wir in zwei Tagen klar“, sagt er.

Es fehlen also noch 5000 Euro. Es müsse ja kein neuer Großsponsor sein, sagt Borger. Denn: „Wenn zehn Leute oder Firmen jeweils 500 Euro geben, wäre das Fest auch gesichert“. Dann würde auch beim 15. Fest alles gut laufen.

Kontakt: E-Mail an info@rockstar-ev.com

Jährlich zieht das Viertelfest tausende Besucher an, ob es in diesem Jahr stattfinden wird, ist noch in der Schwebe.

Archiv-Foto: Iris Maurer

Kohl ist bester „fachgeprüfter Bestatter“

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Donnerstag, 3. März 2016

Kohl ist bester „fachgeprüfter Bestatter“

Bei der Weiterbildung der Handwerkskammer war er spitze

Von Frank Bredel, Saarbrücker Zeitung 03. März 2016

Nach dem Tod eines Angehörigen ist es für die Hinterbliebenen wichtig, sich würdevoll verabschieden zu können. Diesen Wunsch will Bestatter Stefan Kohl erfüllen und bald seinen Kunden „Abschiedsräume“ bieten.

Saarbrücken. Wenn ein Bestatter mit 13-jähriger Berufspraxis plötzlich nochmal die Schulbank drückt, um etwas dazuzulernen, nennt man das „Weiterbildung“. Die Handwerkskammer zeichnete den Bestatter Stefan Kohl (39) aus Sarbrücken als Weiterbildungsbesten im Lehrgang „Fachgeprüfter Bestatter“ aus.

Das Besondere hier: Die Auszubildenden sind Profis, verdienen längst ihre Brötchen im Job. Stefan Kohl ist Chef des Bestattungshauses Pietät von Rüden. Warum der gelernte Betriebswirt trotzdem nochmal mehrere Monate den Kurs besuchte? „Weil ich neue Kollegen kennenlernen und mein Wissen vertiefen wollte. Die Abschlussprüfung brachte mir ein Zertifikat, viele Kunden achten auf sowas“, sagte er im Gespräch mit unserer Zeitung. Und er legt gleich noch einen Kurs obendrauf. Kohl meldeten sich gleich zum Meisterkurs an, der im nächsten Jahr endet. „Wir waren 14 Teilnehmer aus Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Alles Kollegen, die schon im Job stehen und von denen man etwas lernen kann“, lobte Kohl die Weiterbildung. Der 39-Jährige war Teamleiter bei Globus, hatte aber schon als Jugendlicher ein Faible für Bestattungen: „Mich zog die reine Neugierde in den Job.“ Als Messdiener habe er Beisetzungen begleitet, später Geld als Einsargungshelfer dazuverdient, dann den Job gewechselt. Und in dem ist er recht offensiv unterwegs, betreibt eine Facebookseite, erhielt eine Auszeichnung beim Staatspreis für Design mit seiner Webseite und plant in St. Arnual einen neuen Firmensitz in einem ehemaligen Supermarkt. Auf 12 000 Quadratmetern in der Saargemünder Straße errichtet Kohl dort einen Zweitsitz mit Kühlräumen für Leichen, mit Arbeitsräumen für die Bestatter und mit Abschiedsräumen für Angehörige, wie es sie in Saarbrücken noch nicht gebe. Abschiedsräume auf Friedhöfen seien nur eingeschränkt zugänglich, der oder die Tote stets hinter Glas. Das wirke immer kalt und steril. Das werde in St. Arnual anders. Hier werde der Leichnam offen aufgebahrt, Angehörige könnten zu jeder Zeit in den Raum. „Wir haben mit der Oberbürgermeisterin gesprochen. Sie kann neue Abschiedsräume an den Friedhöfen aus Finanzmangel nicht realisieren und hat uns für das private Vorhaben grünes Licht gegeben“, sagt Kohl, dem es wichtig gewesen sei, dass die Friedhofsverwaltung einverstanden ist und dem Kunden keine Extrakosten entstehen. Sein Job macht ihm Freude: „Ja, es macht sogar Spaß, denn die Kunden sind sehr dankbar, weil man ihnen hilft“, erzählt Kohl.

Stefan Kohl leitet das Unternehmen Pietät von Rüden und will eine Filiale in St. Arnual eröffnen. Foto: Becker&Bredel