Jens Jakob: „Die gesamte Sterne-Küche kämpft“

Ein Bild aus glücklicheren Tagen: Spitzenkoch Jens Jakob (r.) und Hotelier Gerd Leidinger. Foto: Konrad

Warum der Saarbrücker Spitzenkoch Jens Jakob sein Restaurant schließen muss

Von Oliver Schwambach, Saarbrücker Zeitung 29. Juli 2016

Die Saar-Spitzengastronomie wird ärmer: Sterne-Koch Jens Jakob sperrt zum 31. Juli sein Saarbrücker Restaurant im Hotel Leidinger zu. Aus wirtschaftlichen wie privaten Gründen. Dabei galt der heute 43-Jährige lange als der Überflieger der Gastroszene hier. In nur wenigen Jahren erkochte er sich zwei Michelin-Sterne.

Saarbrücken. „Heute kann ich selbst kaum glauben, dass ich mal in einem Zwei-Sterne-Restaurant gekocht habe“: Beinahe atemlos sagt das Jens Jakob. Dass er jetzt „Jens Jakob/Das Restaurant“ im Saarbrücker Hotel Leidinger zusperren muss, bringt ihm nun zwangsweise Zeit zum Durchatmen. Offiziell ist das Monatsende der letzte Tag für Jakob und seine 22 Beschäftigten. Aber schon diesen Samstag wird letztmals im Restaurant in der Mainzer Straße aufgetischt. „Wirtschaftliche Gründe“ hätten ihn nun zum Aufgeben gezwungen, erklärt Jakob. Er hat private Insolvenz angemeldet. „Die Jens Jakob Gourmet World betrieben durch die Le Noir UG wird am 31. Juli schließen“, heißt das im Juristen-Deutsch. Zu Jakobs „Gourmet World“ zählte auch eine Kochschule. Zudem hat er das zweite Restaurant im Leidinger, das „s’Olivo“, und die „L-Bar“ mitbetrieben.

Dass es in seinem Gourmetrestaurant kriselt, ist nicht neu. Bereits im April war die Firma „Le Noir“ insolvent. Jakob aber probierte den Neustart. „Doch es ist nicht gelungen, das Geschäft zu konsolidieren“, sagt der 43-Jährige. Er habe alles versucht. Beim TV-Sender „Vox“ in der Kochshow „Game of Chefs“ mitgewirbelt, für „Sky“ ein „Riesen-Casting“ gemacht, „alles in der Hoffnung, den Namen bekannter zu machen und so den Gourmetbereich wieder anzuheizen“. Aber selbst diese Kraftakte halfen nicht.

Erstaunlich eigentlich. Denn wer versuchte, samstagabends etwa bei Jakob einen Tisch zu ergattern, wurde meist vertröstet. „Unter der Woche waren aber oft nur wenige Zweier-Tische besetzt“, erklärt der Gastronom. Zu wenig Umsatz für das personalintensive und auf teuerste Zutaten angewiesene Geschäft Top-Gastronomie.

An der Qualität lag’s definitiv nicht. Obwohl Jakob zuletzt sogar seine beiden Michelin-Sterne, die er für das Restaurant „Le Noir“ erkocht hatte, zurückgab und mit kostengünstigerer Küche weitermachen wollte, dekorierte ihn der Gastroführer Guide Michelin wieder mit einem Stern. „Ich konnte einfach nicht schlechter kochen“, entschuldigt sich Jakob fast. Kenner der hiesigen Gastroszene halten ihm allerdings vor, er habe sich nicht konsequent aufs Schlichtere eingelassen; Schmalhans als Küchenmeister, das passt einem Spitzenkoch wohl nicht.

Das jedoch ist nur einer von etlichen Gründen. Jakob ist überzeugt: „Die gesamte Sterne-Küche in Deutschland kämpft ums Überleben.“ Hauptursache dafür sei der drastische Rückgang der Geschäftsessen. Die meisten Unternehmen untersagen ihren Mitarbeitern mittlerweile kostspieliges Tafeln. Gleich, ob man einlädt oder eingeladen wird. Allein mit privaten Gästen könne aber kaum ein Sterne-Betrieb funktionieren, meint Jakob. Und in der Tat kriselt es bei etlichen deutschen Spitzen-Köchen; Meldungen über Top-Chefs, die plötzlich – wenn auch veredelte – Burger servieren, mehren sich.

Doch auch der private Gast sei des einst so geschätzten Luxuszeremoniells in der Spitzengastronomie überdrüssig, hat Jakob beobachtet. Lecker, locker und nicht zu teuer soll es nun sein. Bloß viele seiner Kollegen, wie auch er selbst, hätten darauf noch nicht die Antwort parat. Er jedenfalls sah jetzt keine Chance mehr, das Ruder rumzureißen. Er zieht sich jetzt zurück, will sich mehr um seinen kleinen Sohn kümmern. Auch private Gründe führten also zu dem harten Schnitt. „Aber ich kehre irgendwann in die Gastronomie zurück. Ideen gibt es genug“, verspricht er. Und sein langjähriger Küchenchef und Freund Peter Wirbel werde nun die Meisterschule besuchen.

Dass Jakob mal eine Pause braucht, verwundert kaum. Sein Aufstieg war fast zu rasant. 2007 eröffnete er – auch in der Mainzer Straße – das „Le Noir“. Sozusagen in Rufweite seines Lehrmeisters, des Drei-Sterne-Chefs Klaus Erfort. Jakob erkochte für das „Le Noir“ erst einen, 2013 den zweiten Michelin-Stern. Die er 2014 erstmal wieder verlor, weil er mit seinem Restaurant ins wenige Meter entfernte Hotel Leidinger umzog. Nur wenige Monate später hatte Jakob seine Sterne wieder.

Für das Hotel Leidinger befürchtet Inhaber Gerd Leidinger nun keine Probleme. Im „s’Olivo“ gehe es ja nahtlos weiter. Markus Wend, seit zwei Jahren dort Küchenchef, führe das Restaurant fort. Und die Räume, die nun durch Jakobs Gourmetbereich frei werden, nutze man, um das Frühstücks- und Mittagsangebot auszuweiten.

Für das Saarland allerdings ist Jakobs Aufgabe schon ein herber Verlust. Wirkte bei den oft sehr angestrengten Image-Klimmzügen des Landes die Luxus-Gastronomie doch wie eine Dopingkur. Nun hängen im Gourmet-Himmel des Saarlands ohne Jakob immer noch etliche Sterne; vor allem dank der beiden Drei-Sterne-Häuser von Klaus Erfort in Saarbrücken und Christian Bau in Perl. Jene Sterne aber über Jakobs hoch kreativer Küche funkelten doch ganz besonders hell.

Praxisgemeinschaft Lebensfreude

Seit ihrer Eröffnung im Sommer 2013 bietet die „Praxisgemeinschaft Lebensfreude“ ein vielfältiges und im wahrsten Sinne des Wortes ganzheitliches Angebot. In geschützter und liebevoller Atmosphäre können hier Körper, Geist und Seele genesen.

Cristina Schaaf, Jennifer Hötzer, Martina Klein und Isabella Kuhn haben es sich zur Aufgabe gemacht, den Menschen zu mehr Gesundheit, Wohlergehen und Lebensfreude zu verhelfen.

Cristina Schaaf ist ausgebildete Gestalttherapeutin. In ihrem „Raum für Dialog“ verhilft sie Ihnen über das Gewahrsein zu dem zu werden, der Sie eigentlich sind. Sie lernen sich selbst mit all Ihren Facetten zu bejahen, wodurch Sie Ihre eigenen Ressourcen entdecken und Ihr geistiges Wachstum fördern können. (www.raum-für-dialog.eu)

Jennifer Hötzer arbeitete viele Jahre als Physiotherapeutin bevor sie sich der Osteopathie verschrieb. Diese Therapieform erleichtert die Suche nach den oft gut versteckten Ursachen für Schmerzen und Funktionsstörungen des Körpers. In ihrer Praxis „behandelbar.“ bietet sie beide Therapieformen an (www.behandelbar-sb.de)

Martina Klein erlangte die Zertizifizierung zur Entspannungs-Trainerin/Entspannungs-Pädagogin und anschließend absolvierte sie im Peter Hess Institut die Ausbildung zur Klangpraktikerin. Mit ihren tibetischen Klangschalen ermöglicht sie dem gesamten Organismus , eine tiefgreifende, heilsame Entspannung zu erreichen. (www.einklangreich.de)

Isabella Kuhn ist Heilpraktikerin. Sie bietet ein umfangreiches Behandlungsangebot an. Spezialisiert hat sie sich auf Traditionelle Chinesische Medizin, ebenso auf Homöopathie und therapeutische Massagen. Diese Therapien eignen sich sehr gut sowohl bei der Behandlung von akuten, als auch von chronischen Erkrankungen. (www.isabellakuhn.de)

Kontakt: Mainzer Str. 145, 66121 Saarbrücken, Tel. 0681 / 935 87478

eMail: raumdialog@gmx.dewww.raum-für-dialog.eu

Personalrat der Stadt Saarbrücken kritisiert Umgang mit Filmhaus

Saarbrücker Zeitung vom 28 Juli 2016

Gestern berichteten wir über die Probleme des Saarbrücker Filmhauses: Die barrierefreien Umbaumaßnahmen stocken, die Besucherzahlen sinken. Darauf reagieren nun der Personalrat der Stadt und die Grünen im Stadtrat.

Saarbrücken. Auf unseren gestrigen Artikel „Filmhaus in der Krise?“über die schwierige Lage des kommunalen Kinos in der Mainzer Straße hat der Personalrat der Landeshauptstadt reagiert. In einer Mitteilung kritisiert der Rat die Personalpolitik der Stadt, was das Amt für kommunale Filmarbeit angeht, das für das Filmhaus zuständig ist. Dort habe die Landeshauptstadt in der Vergangenheit „beim Personal gespart etwa durch Kürzungen von externen Personalstunden und Verweigerung von Stundenerhöhungen bei den Teilzeitbeschäftigten“. Dies hätte „die logische Folge, dass die Qualität und die Angebote reduziert werden“.

Die Filmhaus-Beschäftigten hätten zudem regelmäßig Ideen vorgebracht, zuletzt Anfang 2016 bei einem Gespräch mit Personalrat und dem Filmbüro-Leiter, wie man stärker für das Angebot des Kinos werben könne. Diese Vorschläge seien „offensichtlich ignoriert“worden, sagte der Personalratsvorsitzende Bernd Schumann: „Da läuft irgendwas gründlich schief.“Eine Idee der Beschäftigten sei, Filmgenres zu zeigen, „die im Saarland eine große Szene, aber noch keine Vorführorte haben“, etwa japanische Mangaverfilmungen. Der Personalrat fordert „ein klares Bekenntnis von Politik und Verwaltung zum Erhalt des Filmhauses“, verbunden mit einer Aufstockung des Etats. „Wir fordern unseren Kulturdezernenten auf, jetzt endlich mal Gas zu geben.“

Die Fraktion von Bündnis 90/ Die Grünen im Stadtrat Saarbrückens sieht die Diskussion um das Filmhaus mit Sorge. Die kulturpolitische Sprecherin Britta Planz fordert von der Landeshauptstadt „ein wirtschaftlich tragbares Konzept, damit das Kino eine Zukunft hat“. Aus Sicht der Grünen „wäre es am besten, wenn alle Kinos in dieser Form erhalten bleiben. Sie haben unterschiedliche Profile und machen sich gegenseitig keine Konkurrenz.“Die Angebotsvielfalt habe „einen hohen Stellenwert für die Kulturszene Saarbrückens. Dort zu sparen und zu kürzen, schadet langfristig der Landeshauptstadt und letztlich uns allen“. red

Filmhaus in der Krise?

Neue Diskussionen um Saarbrückens städtisches Kino

Von Silvia Buss, Saarbrücker Zeitung 27. Juli 2016

„Sorge um die Zukunft des Saarbrücker Filmhauses“ heißt es immer mal wieder, zuletzt am Montag im Saarbrücker Stadtrat. Dem kommunalen Kino in der Mainzer Straße ging es schon besser: Der Umbau zur Barrierefreiheit stockt, die Besucherzahlen sinken. Was tun?

Saarbrücken Die Sache entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Jahrelang forderte die CDU-Fraktion im Saarbrücker Stadtrat, das Filmhaus zu schließen, weil es als Einrichtung für die Landeshauptstadt zu hohe Kosten verursache. Kürzlich schlug sie aus dem gegenteiligen Grund Alarm: Sie warf der rot-rot-grünen Koalition vor, bisher nicht genug investiert zu haben, um das Filmhaus barrierefrei umzubauen. Am Montag meldete sich auch die FDP im Stadtrat zu Wort, warf der Stadtverwaltung „Nichthandeln“ vor und äußerte „Sorge über die Zukunft des Filmhauses“.

In der Tat hatte die Verwaltung bereits im November 2014 ein Konzept vorgelegt, wonach die kommunale Filmstätte in zwei Bauabschnitten barrierefrei werden sollte. Sie hatte damit auf Proteste von Behindertenverbänden reagiert, die nicht länger hinnehmen wollten, dass diese Kultur-Einrichtung der öffentlichen Hand für sie nicht zugänglich ist, und sich dabei auf die UN-Behindertenrechtskonvention berufen. Die Finanzierung der auf insgesamt rund 130 000 Euro veranschlagten Maßnahmen erklärte der damalige Kulturdezernent Erik Schrader (FDP) für gesichert, auch dank Fördergelder der deutschen Filmförderungsanstalt (FFA).

Aber selbst die für 2015 geplanten Maßnahmen wurden bisher nur zum Teil umgesetzt. So wurde das Filmhaus lediglich mit den technischen Installationen für Seh- und Hörbehinderte aufgerüstet. Mobilitätseingeschränkte Besucher bleiben jedoch weiterhin außen vor. Denn alle vorgesehen Baumaßnahmen, darunter als wichtigste ein behindertengerechtes WC und ein Außenaufzug, stehen noch aus. Der Toilettenumbau sei im Sommer 2015 an der fehlenden Zustimmung des damaligen Gebäudeeigentümers gescheitert, erklärt Kulturdezernent Thomas Brück (Grüne) dazu auf Anfrage der SZ. Der Eigentümer, GEKOBA-Saarland Bauträger, habe eine Änderung des Mietvertrags zur Bedingung für die Zustimmung gemacht, was eine Mieterhöhung bedeutet hätte, sagt Brück. Im Juni wechselte das Gebäude in private Hände. „Mit dem neuen Vermieter habe ich bereits erste Gespräche geführt“, erklärt der Kulturdezernent und weist den Vorwurf der Untätigkeit zurück. Diese wirft er vielmehr seinem Vorgänger Schrader vor.

Denn der sei die wichtigste Aufgabe nicht angegangen und habe sie nun ihm überlassen: ein Gesamtkonzept zu entwickeln, um das kommunale Filmangebot für die Zukunft auf finanziell solide Füße zu stellen. Die Stadt müsse weiterhin dem anspruchsvollen Kino fernab des Mainstreams eine Bühne bieten, das müsse aber auch in Zeiten der Haushaltsnotlage wirtschaftlich tragbar sein.

Für das Filmhaus zahlt die Stadt derzeit insgesamt 93 000 Euro jährlich an Miete. Die Gesamtkosten, Personal inklusive, belaufen sich nach SZ-Informationen auf 336 000 Euro. Bevor man weitere Investitionen tätige, müsse man zunächst die Einnahme-Seite verbessern, sagt Brück und verweist auf die seit Jahren rückläufigen Besucherzahlen. „Wir hatten im zurückliegenden Jahr gerade noch 17 826 Zuschauer im Filmhaus, im Jahr 2008, nur zum Vergleich, waren es noch rund 31 000“. Er habe daher Filmamts-Leiter Michael Jurich beauftragt, bis zum Ende dieser Sommerferien ein inhaltliches Konzept aufzustellen, wie sich die Besucherzahlen des Kinos steigern und das Filmhaus wieder stärker ins öffentliche Bewusstsein rücken lassen könne. Indirekt heißt das wohl auch: Jurichs Engagement in Sachen Werbung fürs Filmhaus und dessen Programm lässt zu wünschen übrig.

Im Herbst will Brück ein Gesamtkonzept für die Sicherung des kommunalen Filmangebots vorlegen und auch die Barrierefreiheit beleuchten. Vor dem Hintergrund des vielfältigen Arthouse-Angebots in Saarbrücken müsse man dabei sicherlich auch über Kooperationen mit der Camera Zwo und dem Kino Achteinhalb sprechen, betont Brück. Ob auch die Aufgabe des Filmhauses als Gebäude in Frage kommt? Dazu will sich Brück noch nicht äußern.

 

Meinung:

Neue Ideen fürs Filmhaus?

Von SZ-Redakteur Tobias Kessler

Gerungen wird ums Filmhaus ja regelmäßig. Aber diesmal scheint der Karren besonders tief im Dreck zu stecken. Der Umbau zur Barrierefreiheit stockt, was für eine öffentliche Einrichtung besonders blamabel ist. Besorgniserregend sind auch die rückläufigen Besucherzahlen. Nun hat ein kommunales Kino nicht die Aufgabe, im Arthouse-Bereich möglichst kommerzielle Filme zu spielen (was die private Camera Zwo mit Erfolg tut); es soll anspruchsvolles Kino bieten, das eben eher aus der Nische denn aus der Breite kommt. Dennoch sind sinkende Zahlen ein Alarmsignal (und Munition für Filmhausgegner). Ist das Programm zu ambitioniert? Oder bewirbt das Haus sein reizvolles Angebot zu wenig?

Das Gebäude aufzugeben und etwa in einem Saal mit der Camera Zwo zu kooperieren, wie oft spekuliert wird, wäre nur ein Filmhaus-Ende auf Raten. Jetzt sind Dezernent Thomas Brück und Filmhaus-Leiter Michael Jurich mit Ideen und Konzepten gefordert.

Ein Platz für die Menschen.

Ein Platz für die Menschen

Museumsdirektor Roland Mönig stellt Pläne der Außenanlage vor

Von SZ-Redakteur Peter Wagner

Massive Erdbewegungen finden derzeit bei idealem Bauwetter am Saarlandmuseum und an der Musikschule statt. Beide Außenanlagen sollen zu einem Park verschmelzen, den die Saarbrücker besser annehmen als bisher. Es wird auch einen Zugang zur Saar geben.

Saarbrücken. Die Bäume bleiben, die Parkplätze verschwinden, die Menschen sollen noch zahlreicher kommen – das sind nach Schilderung von Saarlandmuseums-Direktor Roland Mönig die Ziele, die das Land und die Stiftung saarländischer Kulturbesitz mit der Gestaltung des Außengeländes der Modernen Galerie und der benachbarten Hochschule für Musik erreichen möchten. Mönig sprach von einem „besonderen Ort zur Einstimmung auf Kunst und Musik“.

Weil vor dem Museum und der Hochschule in diesen Tagen enorme Mengen Schotter und Erde bewegt werden, sich dem Betrachter aber nicht erschließt, was dahinter steht und was das werden soll, hatte Bürgermeisterin Christa Piper ( SPD ) den Saarbrücker Baudezernenten Prof. Heiko Lukas um einen mündlichen Bericht gebeten. Lukas, als Kuratoriumsmitglied der Stiftung Saarländischer Kulturbesitz zwar mit allem vertraut, gab die Aufgabe aber gern an den Museumschef weiter. Der nutzte die Gelegenheit für einen fast einstündigen Vortrag mitsamt Werbung für sein Haus. Am Ende der ebenso wortstarken wie unterhaltsamen Lehrstunde wussten alle deutlich mehr über Saarbrücker Architektur und Kunst und verabschiedeten den promovierten Kunsthistoriker mit Beifall – wenngleich ihnen nicht alle Details der Platzsanierung hundertprozentig zugesagt haben dürften.

So mussten sich die Bezirksverordneten von der Idee verabschieden, dass der 4000 Quadratmeter große Skulputurengarten zwischen Museum und Leinpfad zur Saar hin geöffnet wird. „Wenn wir die Mauer wegnehmen, wird auf den Skulpturen gegrillt“, schilderte Mönig seine Angst vor alltäglichem Vandalismus. Noch größer sei die Gefahr von Metalldiebstählen. Organisierte Täter kämen gar mit Lastwagen, um tonnenschwere Skulpturen wegzuschaffen. Ihnen sei nur der Metallgehalt und nicht der künstlerische Wert bedeutsam.

Wichtig zu wissen aber: Ein etwa vier Meter breiter „Flanierpfad“ wird den künftigen Platz mit dem Fluss verbinden, so dass ein ungehinderter Spaziergang aus Richtung Bismarckstraße über das „Kunst“-Gelände ans Wasser möglich sein wird. Dass der Mensch hier idealerweise nicht mehr gegen parkende Autos läuft, ist nach Worten von Lukas ein entscheidender „städtebaulicher Mehrwert“.

Aus Sicht der Stadt besonders bedeutsam war die klare Festlegung der Planungsgrenze von Museum (Land) und städtischem Gehweg an der Bismarckstraße. Diese Kante, von einer Baumreihe gesäumt, soll nicht nur besonders adrett und einladend werden, sondern muss auch stabil sein, weil die Lastwagen, die Museumskunst bringen und holen, hier drüber müssen.

Was die Barrierefreiheit des vom Konzeptkünstler Michael Riedel geplanten Platzes angeht, blieb Mönig unkonkret. Wie seinen Worten zu entnehmen war, dürfte es Behinderten und Blinden möglich sein, das Gelände zu bewältigen, wenngleich nicht konkret nach den DIN-Normen der Barrierefreiheit gebaut wird. Riedel hat vor, den Grundriss des Gebäudes ein zweites Mal in die Landschaft zu projizieren, und zwar mit hellen Betonsteinen der Größe vier mal vier Meter. Weil der Platz dafür nicht reicht, müssen Teile dieses zweiten Grundrisses am Erweiterungsbau (4. Pavillon) quasi „hochkriechen“, das ist sozusagen der „entscheidende Kniff“ (Mönig).

In spätestens sechs Wochen sollen die ersten Platten verlegt werden. Das Bauwetter ist derzeit ideal, der Neubau ist komplett eingerüstet und wird gerade gedämmt. Wie Britta Blau ( SPD ) aufgrund schlechter Erfahrungen mit Belägen der Bahnhofstraße erfragte, soll der Stein für den Boden „sehr widerstandsfähig“ gegen Verschmutzungen sein; derzeit liefen Versuche, sagte Mönig. Auch mit den Bäumen gibt man sich offenkundig große Mühe: die alte Kastanie am Museum ist mit einer sogenannten „Wurzelschutzbrücke“ versehen worden, damit der alte Baum die Erdarbeiten nur ja schadlos übersteht.

Saarbrücker Zeitung vom Montag, 18. Juli 2016

Ein Gin Tonic mit Jules Verne

Neue SZ-Serie „Da muss man hin“: Ein Besuch in der Saarbrücker Bar „Jules Verne“

Von SZ-Redaktionsmitglied Patricia Heine, Sarbrücker Zeitung 04. Juli 2016

Wo verbringen junge Leute in der Region ihre Freizeit? Was ist angesagt? Gibt es sie, die Orte, an denen sich jeder trifft? Zum Feiern – oder einfach zum Abhängen. Die SZ hat sich auf die Suche gemacht und stellt in einer Serie diese Orte vor. Heute: zu Gast in der Bar „Jules Verne“ in der Mainzer Straße/Paul-Marien Straße in Saarbrücken.

Saarbrücken. Jedes Teil ein Herzstück. Liebevoll ausgesucht, auf Flohmärkten entdeckt oder selbst gebaut. Kein Stuhl gleicht dem anderen. Kein Tisch sieht aus wie sein Nachbar. Alles Individuen, genau wie die Gäste. Aber das macht die Atmosphäre besonders im „Jules Verne“ oder „Jules Wayne“? Wie es richtig heißt, weiß man nicht genau. Ein Schild fehlt noch. Deshalb nennen es manche einfach nur „Jules“. Und dort hängt man jetzt ab.

Schon vor einem Jahr tat sich was hinter den großen Glasfronten des alten Sandsteinbaus in der Mainzerstraße. Nur keiner wusste, was. Die Scheiben blieben zugehängt. Mitte April 2016 dann die Enthüllung. Giovanni D’Arcangelo hatte im Innern einen Raum für Fantasie, Inspiration, Freiheit und Entspannung geschaffen. „Ich bin halt ein Querdenker und lasse mich von Gefühlen leiten“, sagt der 47-Jährige. Herausgekommen ist das „Jules Verne“. So heißt es tagsüber. Sobald Alkohol fließt, wird es zum „Jules Wayne“, hat sein Besitzer beschlossen. Wayne: auf Englisch so viel wie „egal“. Das soll einem der Alltag dann sein. Wer den Rausch sucht, ist aber falsch. Stattdessen Seele baumeln lassen. Entspannte Musik zum Abschalten. Jung und Alt, kurzer Rock, bauchfrei, Kostüm und Krawatte – alles trifft sich hier. „Wir lieben es, wenn es gemischt ist“, sagt Giovanni. Viel Zeit, Arbeit und Liebe habe er investiert. Das große Gemälde an der Stirnwand hat er selbst gemalt, ein Segelschiff auf rauer See. Die Bar, die den Eindruck erweckt, Jules Verne persönlich genießt seinen Gin Tonic daran – von Giovanni selbst gebaut. Er ist eben ein Künstler. Das Esszimmer, die 100 Tage Bar, das Modul und das Römerkastell – bekannte Namen in der Saarbrücker Club- und Kneipenszene. Und überall hat Giovanni im Hintergrund die Fäden gezogen.

Mit liebevollen Details arbeitet er im „Jules Verne“. Blumen in kleinen Vasen, nostalgische Kerzenständer, an denen das Kerzenwachs heruntertropft. Auf dem großen Orientteppich steht ein dunkler Holztisch wie aus Omas Wohnzimmer. An dem kommt die Fußballmannschaft zusammen oder der Mädelsstammtisch zum Grauburgunder. Romantischer am Nachbartisch, einer alten Schulbank. Mit Crémant stoßen sie auf ihr erstes Date an. Wer Glück hat, sichert sich einen Platz auf der breiten Bank in der riesigen geöffneten Fensterfront. Wird die Luft zu dick, Füße aus dem Fenster baumeln lassen, frische Stadtluft einatmen.

So schnell steht Anne nicht mehr auf. Beine hoch und zurücklehnen. Die breite Bank, definitiv ihr Lieblingsplatz. Zwischendurch „Kaffeeklotzen“, wie sie und Freundin Eileen es nennen, Leute auf der Straße zu beobachten. Nicht Nauwieser Viertel, nicht St. Johanner Markt, kein Sehen und Gesehen werden. Eben genau das, was Saarbrücken gefehlt hat, finden die beiden. „Ich fühle mich, als würde ich entspannt bei Freunden auf der Terrasse sitzen“, erzählt die 28-jährige Anne.

Der 33-jährige Saarbrücker Yannick lebt zwar mittlerweile in Luxemburg. Ins Saarbrücker „Jules Verne“ kommt er am Wochenende aber trotzdem gerne. „Seit über zehn Jahren hat sich im Nauwieser Viertel fast nichts verändert“, sagt er unzufrieden. Zeit für Neues. Das „Jules Verne“ liegt wohl voll im Trend. „In Berlin ist zurzeit jeder zweite Laden in dem Stil gestaltet“, sagt Yannicks Freundin Emilie.

Ein Restaurant soll das „Jules Verne“ aber nicht sein. Knurrenden Mägen wird trotzdem geholfen. „Wir kochen, was uns gerade so einfällt“, meint Giovanni. Mal Gemüsesuppe, mal Pasta, mal Currywurst oder Salat. Drei Gerichte am Tag stehen meistens zur Auswahl. Und täglich Frühstück.

Auch sechs Wochen nach der Eröffnung zieht die Neugierde noch Leute in die Bar. Eine ältere Dame mit voller Einkaufstasche steht im Eingang, schaut sich staunend um. „Das hat irgendwas, schön“, sagt sie zu sich selbst und verlässt wieder den Raum.

Eine Atmosphäre, die wirkt. Und das will Giovanni nutzen. Filmabende, Vorträge, Konzerte, Ausstellungen und Diskussionen. Wenn die „kleinen Wehwehchen“ beseitigt sind, soll es richtig losgehen. Mit Leidenschaft, damit der inspirierende Geist des Dichters Jules Verne in der Luft bleibt.

 

Die breite Bank im offenen Fenster ist der Lieblingsplatz von Eileen und Anne (rechts) im „Jules Verne“. Foto: Oliver Dietze

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Nachbarschaftsfeste

17. NACHBARSCHAFTSFEST

am 02. Septmber 2017 von 12 Uhr bis 22 Uhr

Das Quartier Mainzer Straße ist ein wunderschöner und attraktiver Teil Saarbrückens, ein Quartier mit ganz viel Herz und Seele. Vor Gründung der Interessengemeinschaft und heutigem eingetragenen Verein, hatte unser geliebter Stadtteil mit vielen Leerständen eher ein negatives Image und war wenig bekannt. Inzwischen gibt es kaum noch Leerstände, aber eine große Nachfrage nach Geschäftsräumen, Wohnungen und Häusern. Das schlechte Image konnten wir abstreifen und werden heute als das wahrgenommen, was wir sind: ein lebendiger vielfältiger Teil von Saarbrücken.

Die besondere Attraktivität des Quartiers wird geprägt durch eine große Auswahl an Clubs und gastronomischen Betrieben, jeder Menge Kunst und Kultur, Antiquitäten und Second Hand vom Feinsten sowie einer Vielzahl individueller kleiner und zumeist eigentümergeführten Geschäfte, die zum Stöbern und Shoppen einladen. Hier spürt man die Liebe zum Detail und die Nähe zu den Kunden. Man legt Wert auf eine kompetente Beratung und nimmt sich Zeit für den Kunden. Wer Lust auf Ausgefallenes hat, wird in unserem Viertel bestimmt fündig. Und für die Liebhaber der Architektur gibt es viele sehr gut erhaltene Häuser aus der Jahrhundertwende zu entdecken. Am besten Sie überzeugen sich einmal selbst und schauen vorbei in unserem Quartier mit Herz und Seele, beispielsweise bei unserem Nachbarschaftsfest. Wir freuen uns auf Sie.

Die Bewohner im Quartier feiern am ersten Samstag im September von 12 bis 22 Uhr mit ihren Gästen unter der Schirmherrschaft von Oberbürgermeisterin Charlotte Britz (angefragt) das nunmehr 17. Nachbarschaftsfest.

Das nach Meinung des Vereins Quartier Mainzer Straße e.V. „schönste und ursprünglichste Straßenfest Saarbrückens“ hebt sich von ähnlichen Veranstaltungen vor allem durch die starke Beteiligung der Anlieger ab. Beim Nachbarschaftsfest machen Gastronomen, Gewerbetreibende und Privatleute im Quartier in der teilweise für den Verkehr gesperrten Flächen die unterschiedlichsten Angebote für die zahlreichen Besucher. Angebot und Atmosphäre sind bewusst angenehm gestaltet, damit auch Familien mit Kindern gerne vorbeischauen. Programm, Speisen und Getränke sind natürlich selbst organisiert bzw. zubereitet. Fest eingeplant sind wieder viel Kunst und Kunsthandwerk, der Antik-, Floh- und Verkaufsmarkt und Anbieter von Büchern, CDs & Schallplatten. Zusätzlich informieren auf dem Fest Anlieger, Initiativen sowie Vereine über ihre Arbeit und Angebote. Einen kostenfreien Kinderflohmarkt wird es ebenfalls geben. Ein buntes Programm sorgt für die passende Unterhaltung.

Im Quartier Mainzer Straße (begrenzt von Großherzog Friedrich-, Bleich-, Bismarck-, Graf Johann-, Heinrich-Böcking- und Hellwigstraße), gibt es fast alles was das Herz begehrt. Mehr als 5.000 Menschen leben hier und werden seit über zehn Jahren von der IG und dem heutigen Verein betreut. Die IG war ein loser Zusammenschluss von Haus- und Wohnungseigentümern, Anwohnern, Dienstleistern, Gewerbetreibenden und Kulturschaffenden die daran arbeiten, das Quartier für die Besucher attraktiver zu machen und bei Veranstaltungen zu zeigen, wie gut es sich in diesem abwechslungsreichen Wohn-, Geschäfts- und Kultur-Zentrum leben, einkaufen und feiern lässt. Mit den Veranstaltungen wird gleichzeitig immer auf die ungelösten Probleme aufmerksam gemacht. Nach seinem Selbstverständnis betreibt der Verein „Stadtmarketing von unten“. Dabei wurde und wird der Verein von vielen Anliegern, der Landeshauptstadt Saarbrücken sowie Spendern und Sponsoren unterstützt.

Bewerbungen gerne unter: fest@mainzerstrasse.saarland

Für alle die Getränke oder Essen anbieten, empfehlen wir die Broschüre des Ministeriums für Umwelt und Verbraucherschutz „Hygienehinweise für Volks- und Vereinsfeste“

https://www.saarland.de/dokumente/res_umwelt/Hygieneflyer_2014.pdf