Kino mit neuen Ideen auftanken

Mit diesem Plakat warb das Filmhaus früher mal. Foto: Filmhaus

 

Initiative will das städtische Filmhaus privatisieren, um es zu retten

Von SZ- Martin Rolshausen, Saarbrücker Zeitung vom 24. September 2016

Ein Besuchermagnet ist das Saarbrücker Filmhaus nicht. Zuletzt kamen nicht einmal mehr 18 000 Besucher im Jahr, im Schnitt also weniger als 50 pro Tag. Weil das Ganze die Stadt zwischen 350 000 und rund 400 000 Euro pro Jahr kostet und auch noch in einen Aufzug, der das historische Gebäude behindertengerecht macht, investiert werden müsste, ist das Kino in die Diskussion geraten. Die Landeshauptstadt wird es nicht schaffen, das Filmhaus dauerhaft zu halten, befürchtet eine neu gegründete Initiative von Filmfreunden.

Saarbrücken. Jörg Mathieu weiß, dass er sich nicht nur Freunde macht und dass er Menschen, die er mag, womöglich vor den Kopf stößt. Er weiß, dass der Weg, den er gerade eingeschlagen hat, viel Kraft kosten wird. Und er weiß, dass am Ende alles umsonst gewesen sein kann. Jörg Mathieu ist Verlagsleiter, Eventmanager und Film-Journalist – und er will das Saarbrücker Filmhaus retten. Dazu hat er mit der Rechtsanwältin Annette Gieseking eine Initiative gegründet.

Das Filmhaus hat zu wenige Besucher (die Zahlen schwanken zwischen 17 000 und 18 000) pro Jahr, und der Zuschussbedarf aus der Stadtkasse ist beträchtlich (die Zahlen schwanken zwischen 350 000 und 400 000 Euro pro Jahr). In dieser Analyse sind sich Mathieu und Gieseking mit den Verantwortlichen in Stadtrat und Stadtverwaltung einig. In der Schlussfolgerung nicht.

Während Kulturdezernent Thomas Brück (Grüne) unter anderem darüber nachdenkt, bisherige Filmhausprogramme ins private Camera-zwo-Kino zu verlegen oder Teile des Filmhauses künftig als Kulturzentrum zu nutzen, will die neue Initiative der Stadt das Filmhaus entreißen. Dass das Filmhaus am Rande des Abgrunds steht, liege nämlich am „Versagen aller Beteiligter der Verwaltung des Filmhauses“. Dass Filmhausleiter Michael Jurich oder das von Brück geführte Kulturdezernat das Kino wieder auf die Erfolgsspur bringen, sei nach allem, was man bisher erlebt habe, sehr unwahrscheinlich, sagt Mathieu.

Er ist unter anderem Herausgeber und Chefredakteur eines Retrofilm-Magazins und organisierte gerade im Filmhaus die zweiten Saarbrücker Cinefonietage. Mit der Initiative will er einen Stein ins Rollen bringen. Die Initiatoren suchen im ersten Schritt Unterstützer aus Politik und Gesellschaft – und Geldgeber. In etwa einem halben Jahr könne dann eine Firma gegründet werden, die das Filmhaus übernimmt.

Folgende Ideen liegen bereits auf dem Tisch: Mit dem benachbarten Hotel ist Mathieu wegen der Untervermietung einiger Räume im Gespräch. Auch eine Anwaltskanzlei im Gebäudekomplex sei eine Option. So könne die Mietbelastung verringert werden. Der große Kinosaal soll weiter als solcher genutzt werden. Der kleinere im Erdgeschoss soll eine Talentbühne für Nachwuchskünstler werden. Dort soll aber unter anderem auch Raum für Kinderprogramm und Theater sein. Außerdem soll es ein Café geben, dass von einem Profigastronom betrieben wird. Der Hof, „einer der schönsten in Saarbrücken“, wie Mathieu findet, soll ebenfalls öfter in Szene gesetzt werden.

Das von Jurich geleitetet Amt für kommunale Filmarbeit müsste ausziehen. Ohne die Amtsstruktur, sagt Mathieu sei man wesentlich beweglicher. Hinter der Initiative stehe ein Netzwerk von Künstlern aus nahezu allen Bereichen, sagt er. Es gebe also viel Potenzial.

Kulturdezernent Thomas Brück möchte bald mit der Initiative ins Gespräch kommen. „Ich finde es gut, dass sich Saarbrücker Bürger für den Erhalt des Filmhaus einsetzen“, sagt er. Denn: „Eine Stadt profitiert immer vom Engagement ihrer Bürger.“ Er sei „auf die Vorschläge gespannt“, werde aber „parallel an unserem eigenen Konzept weiterarbeiten“.

Fluchtpunkt für Frauen in größter Not

Seit 25 Jahren gibt es das Elisabeth-Zillken-Haus

Von SZ-Mitarbeiterin Nicole Baronsky-Ottmann, Saarbrücker Zeitung vom 17 Sep 2016

Mitten in der Stadt und damit mitten unter uns finden obdachlose Frauen in Saarbrücken seit 25 Jahren einen Ort, an dem sie sich sicher fühlen und Hilfe für ihre Probleme und Kranheiten bekommen.

Saarbrücken. Schon im Eingangsbereich wurde man auf die Thematik hingewiesen. Große Gemälde, stark vereinfacht in Form und Farbe und mit kräftigen, schwarzen Konturen, zeigen Frauen mit unterschiedlichen Emotionen. Eine ist ganz in sich zusammengesunken, kauert auf dem Boden. Eine andere hat die Hände zu Fäusten geballt, den Blick aber zum Boden gerichtet. Und eine weitere schlägt die Hände vor ihr Gesicht. Erst die letzten beiden Gemälde zeigen Frauen mit einem Lächeln und einen gelösten Ausdruck. Die Bilder stammen von Walli Gutmann aus Offenbach. Und sie symbolisieren das, wofür das Haus in der Saarbrücker Rosenstraße steht: Frauen, die in Not geraten oder psychisch erkrankt sind, erhalten während sie in einem der denkmalgeschützten Häuser der Jahrhundertwende wohnen können, Hilfe und Unterstützung.

Die Ausstellung war nur ein Teil der Veranstaltung, die am Freitagvormittag begangen wurde. „Mittendrin – 25 Jahre Rosenstraße – Ambulante Hilfen“war das Thema des Jubiläums des Sozialdienstes katholischer Frauen, der Träger des Hauses in der Rosenstraße ist, sowie des Elisabeth-ZillkenHauses. Die Mitarbeiterinnen um Barbara Klein, Leiterin der Einrichtung Andrea Wolter, Geschäftsführerin des Sozialdienstes katholischer Frauen, hatten sich viel Mühe gegeben, um die Gäste und Kollegen aus den verschiedenen Saarbrücker Behörden und Institutionen zu empfangen.

Bei Live-Musik nahm man im blumengeschmückten Innenhof Platz. Gaby Schäfer, Vorsitzende des Sozialdienstes katholischer Frauen und ehemalige Staatssekretärin, betonte dann auch in ihrer Begrüßung die gute Zusammenarbeit mit allen Behörden. Und sie hob hervor, dass dieses Haus, das bereits seit 25 Jahren existiert, ihrem Verein sehr am Herzen liegt. „Dieses Projekt war vor 25 Jahren ehrenamtlich geführt. Damals gab es noch keine Angebote für Frauen am Rande der Gesellschaft“, erklärte sie. Die Anzahl der Frauen, die hier betreut werden, sei in den letzten Jahren zurückgegangen, denn mittlerweile gebe es auch andere Angebote für obdachlose Frauen. Heute können dort elf Frauen in vier Wohnungen leben. „Nach einer Zeit der intensiven Betreuung finden die Frauen hier in der Rosenstraße eine ambulante Betreuung und Hilfe. Ein Ansprechpartner ist zu festen Dienstzeiten im Haus“, erklärte Gaby Schäfer die Vorteile des Hauses. Nadine Schön, Mitglied des Deutschen Bundestages, nannte Zahlen. „2408 Frauen wurden im Saarland im Jahr 2014 als Opfer häuslicher Gewalt erfasst“. Auch sie machte damit nochmal deutlich, wie wichtig diese Hilfe für Frauen ist.

Filmhaus: Kino als Kulturzentrum?

Der Stadtrats-Kulturausschuss diskutierte die Zukunft des Filmhauses

Von SZ-Mitarbeiterin Silvia Buss, Saarbrücker Zeitung vom 17 Sep 2016

Unerwartet friedlich verlief am Donnerstag die Kulturausschuss-Sitzung zur Situation des städtischen Filmhauses. Aber entschieden ist noch lange nichts.

Saarbrücken. Entgegen seinen Befürchtungen wurde es für Kulturdezernent Thomas Brück im Kulturausschuss am Donnerstag dann doch nicht „stressig“. Große Angriffe gegen seine Erklärungen zur Krisen-Situation des Filmhauses (wir berichteten mehrfach), selbst von den Fraktionen der Opposition, blieben aus. Ohne Probleme einigte man sich auch gleich eingangs der Sitzung, Brücks Darlegungen zur Lage, so wie es die FDP beantragt hatte, im öffentlichen Teil zu besprechen.

Dass Brück die Zahlen zu den gestiegenen Kosten und sinkenden Einnahmen des kommunalen Kinos allerdings nur mündlich vortrug, wurde moniert. Die Einnahmen durch Eintrittsgelder etwa haben sich laut Brück von 122 000 Euro im Jahr 2012 auf 83 500 Euro im Jahr 2015 verringert. Der öffentliche Zuschussbedarf ist nach Angaben von Filmamtsleiter Michael Jurich von 404 000 Euro im Jahr 2005 auf 417 000 Euro im Jahr 2015 gestiegen. Kritisch sei es vor allem nach 2015 geworden, wofür Jurich steigende Personalkosten verantwortlich machte. Die Stadt hatte da zwei langjährige Mitarbeiter, die über einen Dienstleister prekär beschäftigt waren, übernommen und tariflich entlohnt.

Sowohl Brück als auch Jurich machten deutlich, dass sie aber die durch die Eröffnung der Camera Zwo gewachsene Konkurrenz für das Kernproblem des Filmhauses halten. Von drei Szenarien, über die die verwaltungsinterne Arbeitsgruppe zur Zukunft des Filmhauses nachdenkt, findet die dritte, die Nutzung des Filmhaus-Gebäudes neben Kino auch als Kulturzentrum durchaus Zustimmung bei den Fraktionen. Das Filmhaus habe auch eine hohe Bedeutung als Kulturort der Stadt, deshalb sollte man es nicht einfach aufgeben, so etwa Lothar Schnitzler(Linke).

Elke Mazurek (CDU) fand es bedauerlich, dass die Verwaltung das Problem so lange ignoriert habe und erst jetzt ein Umdenken einsetze. Egal welche Lösung man anstrebe, die Herstellung von Barrierefreiheit müsse dabei berücksichtig werden, betonte sie. Tobias Raab (FDP) forderte dass die Fraktionen bei den weiteren Diskussionen früher aktiv einbezogen werden und nicht am Ende einer fertigen Lösung zustimmen sollen.

Brück versprach viel: Er versicherte, es gehe nicht um eine Schließung des Filmhauses, die Barrierefreiheit bleibe ein entscheidendes Kriterium. Weitere Überlegungen wolle er mit den kulturpolitischen Sprechern besprechen und dann am Ende im Ausschuss eine beschlussfähige Vorlage einbringen.

MEINUNG: Wo bleibt der Feuereifer?

Von SZ-Redakteurin Susanne Brenner

Saarbrücker Zeitung vom 17 Sep 2016

Man muss es wohl so deutlich sagen: Wäre das Filmhaus ein Privat-Unternehmen, personell würde hier sehr vieles anders laufen. Zum Beispiel würde niemand in einem privaten Kino einen künstlerischen Leiter bezahlen, der zwar ein anerkanntermaßen hochkarätiges Programm macht, sich aber beharrlich weigert, das auch nach außen zu vermarkten. Im Filmhaus laufen tolle Reihen, oft einzigartiges Kino aus den entlegensten Regionen der Erde. Ein spannendes Angebot für Filmfans, ohne Frage. Nur bekommen die das oft gar nicht mit, wenn sie sich nicht aktiv darum bemühen. Was für ein Unterschied etwa zum chronisch unterfinanzierten Kino Achteinhalb, wo ein bis an die eigene Schmerzgrenze engagiertes Team ein hochkarätiges Programm bastelt und notfalls jedem Journalisten die Bude einrennt, damit der darüber berichtet. Aus dem Filmhaus kommen meist nicht mal Pressemitteilungen. Ich wage mal die These: Der Publikumszuspruch im Filmhaus könnte zwar in Zeiten von Camera-zwo-Konkurrenz nicht mehr durch die Decke gehen aber deutlich größer werden, wenn mit Herzblut für die Sache gekämpft würde. Der Schwarze Peter liegt nun beim Kulturdezernenten. Er muss, will er diesen kostbaren Kulturort retten, dafür sorgen, dass hier ein anderer Wind weht. Denn auch ein jetzt angedachtes Kulturzentrum funktioniert nur, wenn es mit Feuereifer betrieben wird.

Filmhaus: Gedankenspiele eines Kulturdezernenten

Wie es mit dem in der Krise steckenden Saarbrücker Filmhaus weitergehen könnte

Mäßige Besucherresonanz, mangelndes Profil, hohe Mietkosten und dazu die teure Filmamt-Konstruktion: Das Saarbrücker Filmhaus gerät ins Visier der Lokalpolitik. Gestern stellte der Kulturdezernent seine Gedankenspiele vor.

Von SZ-Redakteur Christoph Schreiner, Saarbrücker Zeitung 16 Sep 2016

Saarbrücken. Schon vor der gestrigen Saarbrücker Kulturausschuss-Sitzung wusste Kulturdezernent Thomas Brück (Grüne), dass es für ihn, wie er vorab eingestand, diesmal „ziemlich stressig“werden würde. Hat Brück doch auch ein Jahr nach Amtsantritt immer noch kein dezidiertes Zukunftskonzept für das kommunale Kino „Filmhaus“vorgelegt. Dabei ist allen Stadtratsfraktionen und selbst Film-Enthusiasten klar, dass es nicht weitergehen kann wie bisher. Weder mit der deutschlandweit ziemlich einmaligen, kostspieligen Konstruktion eines eigenen „Amtes für kommunale Filmarbeit“noch damit, dass der erhebliche Besucherschwund des Hauses weiterhin nur hingenommen wird. Zuletzt kamen nicht einmal mehr 18 000 Besucher im Jahr, im Schnitt also weniger als 50 pro Tag. Und das bei täglich mindestens vier Filmen.

Als Michael Jurich im Februar 2010 Nachfolger des Filmhausund Ophüls-Festivalgründers Albrecht Stuby wurde, hatte der sich gerade zum Jahreswechsel mit einer Bilanz von 30 000 Besuchern in den Ruhestand verabschiedet. In Stubys gloriosesten Zeiten waren es mal 60 000 gewesen. Aus dem Schatten Stubys ist Jurich nie herausgetreten. Könnte sein, dass sein Vorgänger aus Denkmalpflege in eigener Sache genau das beabsichtigt hatte, als er damals von den elf eingeladenen Bewerbern Jurich empfahl. Wenn sich seinem Erben etwas nicht nachsagen lässt, dann ein kreatives Interesse an mehr Publikumsresonanz. Über die Jahre entstand der Eindruck, dass Jurich (durch und durch Cineast, fachlich beschlagen) zwar an ambitionierten Programmen bastelte, aber wenig Energie darauf verwendete, den zahlenmäßigen Niedergang des Hauses aufzuhalten. Umso mehr ist dies nun seinem Vorgesetzten Brück aufgetragen.

Und so hat dieser, bislang als städtischer Kulturverweser selbst reichlich blass geblieben, gestern nun immerhin mehrere Rettungsoptionen für das Filmhaus im Kulturausschuss vorgestellt. Drei Konsolidierungswege sieht er, denen eines gemeinsam ist: der rotstiftgetriebene Plan, das Amt für kommunale Filmarbeit (3,5 Planstellen) aufzulösen. Quer durch alle Stadtratsfraktionen dürfte dies mitgetragen werden. Schwieriger gestaltet sich die Frage, ob das Kino am angestammten Ort weitergeführt werden oder – Brücks favorisierte Lösung – in einer Rumpfversion Einzug halten soll in dem kommerziell betriebenen Saarbrücker Arthouse-Kino Camera Zwo, das schon in der Spätphase Stubys den Filmhausstern trübte und sinken ließ. Brück schwebt vor, dass Filmhausleiter Jurich dort künftig alternierend ein bis zwei Säle mit seinem klassischen kommunalen Kunstfilmprogramm bespielen könnte. Vorverhandelt ist das Ganze schon mit Camera ZwoChef Michael Krane, der eine feste Saalmiete bekäme. Allerdings hat die Sache einen dicken Haken, der Brücks mangelnde Professionalität offenbart: Bis heute ist ungeklärt, ob die Camera Zwo barrierefrei umzubauen ist. Das aber wäre unerlässlich. Steht doch bereits der jetzige Standort zurecht unter Thomas Brück Dauerbeschuss der Behindertenverbände, nachdem die klamme Stadt seit Jahren aus Kostengründen die Realisierung eines Außenaufzug am Filmhaus verschleppt.

Auch Brücks zweites Gedankenspiel ist unausgereift: Die Idee, seinen Kino-Problemfall mit dem hälftig von Land und Stadt budgetierten Kino Achteinhalb zu fusionieren, findet dort wenig Gegenliebe. Zu groß ist die Angst der Achteinhalb-Macher, ihr dank diverser Reihen und Kooperationspartner klar profiliertes Filmwohnzimmer-Juwel – faktisch längst ein zweites kommunales Kino – könnte im Falle einer Zusammenlegung (auch personell mit Jurich) seine Identität einbüßen. Zudem müsste eine beide Kinos umfassende neue Vereinsstruktur gefunden werden, in die auch Jurich neu einzubetten wäre. Fraglich ist, was eine Fusion von Achteinhalb und Filmhaus unter Erhalt beider Häuser überhaupt an Einspareffekten brächte. Scheint doch unstrittig, dass die Fraktionen an der (im Mai an eine Privatgesellschaft verkauften) Immobilie in der Mainzerstraße hängen und sie als Kulturort offenbar erhalten wollen. Bliebe folglich als drittes, gestern von Kulturdezernent Brück im Kulturausschuss vorgestelltes Szenario eine abgespeckte Business-asusual-Lösung: Jurich bespielt nur noch den großen Saal, während die übrigen beiden Mini-Abspielstätten (Schauplatz/Galerie) kulturell von privater Seite anderweitig genutzt werden könnten.

Über ein viertes, prinzipiell denkbares Szenario ist bislang offiziell nichts zu hören: Jurich im Zuge der absehbaren FilmamtAbwicklung womöglich in ein anderes Amt zu versetzen. Wollte man das Filmhaus zum Kulturzentrum ausbauen, wäre Jurich der falsche Mann. Klar ist: Kulturdezernent Brück muss nun liefern. Unausgegorene Optionen reichen nicht. Wie wär’s mit der Klärung der Grundfrage, was das Filmhaus überhaupt leisten soll?

Wie geht es weiter mit dem Filmhaus?

FDP und CDU fordern Aufklärung im Kulturausschuss

Saarbrücker Zeitung vom 15 Sep 2016

Vor der heutigen Sitzung des Kulturausschusses übt die FDP-Fraktion scharfe Kritik an Dezernent Thomas Brück (Grüne). Sie fordert von ihm ebenso wie die CDU Aussagen, wie es mit dem Filmhaus weitergeht.

Saarbrücken. Ist das Filmhaus in der Mainzer Straße in Gefahr? Diese Frage stellt die FDP-Stadtratsfraktion. Sie verweist darauf, dass bereits vor den Sommerferien öffentlich geworden sei, dass nicht nur von Seiten des zuständigen Dezernates der Stadt Saarbrücken ein behindertengerechter Umbau des Filmhauses erst einmal nicht umgesetzt wird, sondern es auch einen neuen Eigentümer der Filmhaus-Immobilie in der Mainzer Straße gibt. Wenig später habe der grüne Dezernent Thomas Brück in der Presse angedeutet, dass er die Organisationsform des Filmhauses verändern wolle.

Vor wenigen Wochen noch hatte Karsten Krämer, der kulturpolitische Sprecher der FDP-Stadtratsfraktion, Thomas Brück einen unehrlichen Umgang mit den Stadtverordneten vorgeworfen, da es von seiner Seite keine Berichterstattung im Kulturausschuss gab. Brück habe keinen Halbjahresbericht mehr vorgelegt, wie es zuvor gute Tradition gewesen sei. Brück habe ein Konzept versprochen, wie er das Filmhaus attraktiver machen will. Dieses sollte dem Kulturausschuss nach den Ferien vorgelegt werden. Doch nichts sei geschehen, kritisiert die FDP-Fraktion.

Daher haben die Liberalen jetzt nicht nur beantragt, dass die fehlenden Berichte dem Ausschuss vorgelegt werden, sondern dass die Verwaltung in der heutigen Sitzung im öffentlichen Teil über die aktuelle Situation des Filmhauses und die Zukunftsperspektive Stellung nimmt.

Die CDU-Fraktion hat ebenfalls einen Antrag eingebracht und will wissen, ob die Verwaltung den Standort in der Mainzer Straße aufgeben und eine andere Immobilie suchen will. Auch die Christdemokraten fordern einen Bericht zum Zukunftskonzept des Kinos. Laut Tagesordnung will die Stadtverwaltung aber erst im nichtöffentlichen Teil zum Filmhaus Stellung nehmen. red

Mord und Totschlag für Genießer

Im Oktober finden wieder drei Wochen lang die Krimitage Saar in Saarbrücken statt

Saarbrücker Zeitung vom 15 Sep 2016

Erlesene Morde und spannende Verfolgungsjagden, dazu wahrscheinlich doch nicht vergiftete leckere Menüs und mysteriöse Stadtführungen: Für die Freunde des gepflegten Nervenkitzels ist zwischen 21. Oktober und 13. November wieder Hochsaison: Die Krimitage Saar finden zum vierten Mal statt.

Saarbrücken. In den letzten drei Jahren sind keine Todesfälle bekannt geworden. Es dürfte also auch 2016 in Ordnung sein, das eine oder andere „mörderische Dinner“oder kriminelle Frühstück im Hotel Leidinger oder im Gasthaus Baker Street zu sich zu nehmen. Wer auf Nummer sicher gehen will, kann natürlich auch zuhause essen und danach bei einer Krimirallye, einem Filmabend oder einer ganz unkulinarischen Krimilesung mitmachen.

Bei den Krimitagen Saar kommen rund ums Quartier Mainzer Straße alle Freunde des gepflegten Nervenkitzels zu ihrem Recht. Am 21. Oktober eröffnen die nunmehr vierten Krimitage – diesmal wieder mit einer Lesung aus der SR3-Krimireihe „Mord vor Ort“(19.30 Uhr, Baker Street). Bis zum 13. November können dann Krimifans in Saarbrücken ganz ungefährdet auf Mörderjagd gehen oder sich den Mörder servieren lassen.

Die Krimitage Saar sind eine Veranstaltung der Agentur Erlebnisraum in Zusammenarbeit mit dem Leidinger HotelEvent-Restaurant, dem Filmhaus Saarbrücken und dem Conte Verlag in Kooperation mit der Interessengemeinschaft Quartier Mainzer Straße. Über 30 Krimi-Termine sind bislang festgelegt. Es gibt natürlich viele Lesungen mit lokalen Autoren, denn das Saarland ist seit einiger Zeit ein recht guter Nährboden für Krimi-Autoren.

Am 22. Oktober bei der Lesung „Kriminell gut“im Leidinger etwa kann man gleich mehrere von ihnen erleben. Neben dem beliebten Criminal Pubquiz (26. Oktober, Baker Street) und der abendlichen Tour „Morde, Mondschein, Gaumenkitzel“(27. Oktober) gibt es auch noch ein paar mafiöse Verstrickungen („Requiem für einen Don“am 19. Oktober im Leidinger) und eine sehr späte Lesung, die es dann eigentlich gar nicht gegeben haben kann, denn sie findet zur „verlorenen Stunde“statt, zwischen zwei und drei Uhr nachts, wenn die Uhren umgestellt werden. Und es gibt wieder eine Lesung an besonders passendem Ort: Isabella Archan (5. November) und Christian Bauer (12. November) laden ins Bestattungshaus Pietät von Rüden. Jede Menge weitere Lesungen begabter Autorinnen von hier und andernorts gibt es bei den Krimitagen, mal mit mal ohne Diner. Und frühstücken und sich nebenbei als Detektiv betätigen kann man bei mehreren „Krimifrühstücken“im Leidinger und in der Baker Street. Brötchen mit Mor (d)tadella dürften da wohl besonders gefragt sein … bre

Tickets und Programm unter www.krimitage-saar.de

 

Eine Institution in Saarbrücken

Blick in das Jagdzimmer der Saarbrücker Casino-Gesellschaft, vermutlich zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Foto Stadtarchiv Saarbrücken

Vor 220 Jahren gründeten Bürger die Casino-Gesellschaft – Festakt am 2. Oktober

Saarbrücker Zeitung vo 15 Sep 2016

220 Jahre Saarbrücker CasinoGesellschaft: Das soll groß gefeiert werden. Denn das Haus in der Bismarckstraße 47 ist ein wichtiger Ort der Begegnung in der Landeshauptstadt.

Saarbrücken. Die Casino-Gesellschaft Saarbrücken feiert ihren 220. Geburtstag. Damit ist sie der älteste noch bestehende Zusammenschluss von Bürgern unserer Stadt und unseres Landes, erklärt der Vorsitzende Lothar Arnold. Darüber hinaus gilt die Saarbrücker Casino-Gesellschaft als drittälteste ihrer Art in Deutschland. Allein diese Beständigkeit unterstreiche ihre Bedeutung für Saarbrücken und das Saarland.

Ab Mitte des 18 Jahrhundert erlebten die Saarstädte Saarbrücken und St. Johann einen wirtschaftlichen Aufschwung. Überall in Deutschland entstanden sogenannte Lesegesellschaften, so auch in Saarbrücken. 19 Mitglieder gründeten am 1. September 1796 das „Colleg“im Hause Georg Philipp Korn. Innerhalb des „Collegs“ergab sich am 5. Januar 1817 eine Neugründung unter dem Namen „Casino“. August Krohn, der erste Chronist der Gesellschaft, berichtet von der außerordentlichen Sparsamkeit, die Mitglieder waren aber wohlhabende Bürger.

Die Gesellschaft war immer eine Gemeinschaft von wirtschaftlich einflussreichen Leuten. 1866 ist ein weiteres bedeutendes Datum: Der repräsentative Neubau des heutigen Landtages wurde fertiggestellt, der bis 1938 im Besitz der Gesellschaft blieb.

Eine besondere Blüte hatte die Gesellschaft von 1925 bis 1932. Umso tragischer war die verordnete Selbstauflösung im Dritten Reich. Nach dem Zweiten Weltkrieg zog der Landtag in das ehemalige Gesellschaftshaus.

Es begannen intensive Verhandlungen mit der Regierung, die mit einer Abfindung endeten. Schließlich kaufte die Gesellschaft das heutige Anwesen in der Bismarckstraße 47. Das Haus wurde am 12. Mai 1954 feierlich eröffnet und von 1989 bis 1990 erweitert. Das Gesellschaftshaus musste immer wieder instand gesetzt und modernisiert werden. Das geschah etwa 2007, um Auflagen des Brandschutzes zu erfüllen, und zuletzt, um die Thekeneinrichtung umzubauen. Die Gesellschaft musste erheblichen finanziellen Aufwand betreiben, um dies zu stemmen.

Die Gesellschaft ist auch heute noch ein Querschnitt des Bürgertums der Stadt Saarbrücken. So sind Kaufleute, Beamte, Richter, Rechtsanwälte, Ärzte, Architekten, Handwerker und Dienstleister vertreten.

Ein weiterer Zweck der Saarbrücker Casino- Gesellschaft ist die Förderung des saarländischen kulturellen Nachwuchses, betont Arnold. Anlässlich des 200-jährigen Bestehens der Gesellschaft vergab sie 1996 erstmals einen Förderpreis für Nachwuchskünstler. Der Preis wurde seitdem 15-mal an Musiker, viermal an Künstler und einmal an einen Architekten verliehen. Ein Höhepunkt in der Geschichte des Hauses war 2004 eine Veranstaltung mit der damals noch lebenden Schwester von Willi Graf, Anneliese Knoop- Graf, die über das kurze Leben ihres Bruders und über die Auswirkung seines Widerstandes gegen die Nazis auf die gesamte Familie berichtete.

Die Casino-Gesellschaft feiert im Oktober im Gesellschaftshaus in der Bismarckstraße 47 mit einem Festakt ihr 220-jähriges Bestehen.

Festredner ist Klaus Töpfer, der ehemalige Exekutivdirektor des Umweltprogramms der Vereinten Nationen. Der Festakt beginnt am Sonntag, 2. Oktober, um 10 Uhr und wird musikalisch umrahmt von Professor Robert Leonardy. red

Weitere Informationen gibt es nach einer E-Mail an die Adresse info@die-saarbruecker-casinogesellschaft oder unter Telefon (06 81) 5 72 53.

 

Charlotte Britz erhält „Ehren Mainzer“

(Foto Alex Wolfanger von links nach rechts Christine Thull Projekt Piñata, Stefan Kohl Vereinsvorsitzender, Andrea Dumont Schriftführerin, Oberbürgermeisterin Charlotte Britz, Gerd Leidinger 2. Vorsitzender, Karina Hartwahn Projekt Piñata)

(Foto Alex Wolfanger von links nach rechts Christine Thull Projekt Piñata, Stefan Kohl Vereinsvorsitzender, Andrea Dumont Schriftführerin, Oberbürgermeisterin Charlotte Britz, Gerd Leidinger 2. Vorsitzender, Karina Hartwahn Projekt Piñata)

Immer wieder gerne übernimmt Oberbürgermeisterin Charlotte Britz die Schirmherrschaft bei den Nachbarschaftsfesten in unserem Quartier. In all den Jahren war Sie mit Ihren Dezernaten eine gute Ratgeberin  und Unterstützerin. Durch Ihre Hilfe konnten wir zum 16. Mal mit Anwohnern, und Freunden feiern und die Besonderheit unseres Viertels herausstellen. Für dieses Engagement erhielt Charlotte Britz im Rahmen der Festeröffnung den „Ehren Mainzer“ vom Vorstand des Vereins Quartier Mainzer Straße