Ab sofort bewerben für die 9. Hoffeste

In vielen Höfen gibt es ein abwechslungsreiches Kulturprogramm mit Musik und Lesungen. Der Verein Quartier Mainzer Straße e.V. bietet Führungen an. Programm, Speisen und Getränke sind natürlich selbst organisiert bzw. zubereitet. An den Märkten können auch Personen und Institutionen teilnehmen, die ihren Standort nicht im Quartier haben. Die verfügbaren Plätze sind begrenzt.

Sollten Sie als Aussteller Interesse haben bei den Hoffesten mitzumachen, dann senden Sie uns das ausgefüllte Bewerbungsformular an fest@mainzerstrasse.saarland

Weitere Infos und das Formular finden Sie unter  http://mainzerstrasse.saarland/wordpress/2015/07/01/hoffeste/

 

 

Die Stadt wird weitergebaut

Wo das Viertel an die Großherzog-Friedrich-Straße stößt, entstehen in der Stadt neue Gebäude zwischen denkmalgeschützten Häusern.

Foto: LHS Saarbrücken/Wandel Lorch Architekten Foto: LHS Saarbrücken/Wandel Lorch Architekten

 

Die Stadt wird weitergebaut

Das Citroën-Gelände soll sich entwickeln: Wohnungen, Höfe, Tiefgarage

Auf einer Industriebrache zwischen Großherzog-Friedrich-Straße und Neugässchen sollen rund 150 Wohneinheiten entstehen. Gestern stellten der Architekt, die Investoren und die Stadt Pläne vor.

Saarbrücken. Wenn es um hochwertiges Wohnen in der Stadt geht, stellt sich die Frage nach dem Preis dafür. Die wollten gestern weder die beiden Investoren Michael Wenk und Thorsten Schmeer noch der Architekt Wolfgang Lorch nennen. Zu früh sagten sie. Sprachen aber davon, dass ein Teil der neuen Gebäude auf dem ehemaligen Citroën-Gelände „bezahlbares Wohnen“ bieten soll. Das sei, bekräftigte Baudezernent Heiko Lukas, auch im Sinne der Stadt.

Auf die Definition von „bezahlbar“ wird man also noch warten müssen. Nach der Präsentation vor Journalisten gestern im Baudezernat gingen die Pläne erst einmal in den städtischen Bauausschuss, der gestern tagte. Danach wird sich der Stadtrat damit beschäftigen.

Der Kontakt zwischen Investoren, Architekt und Stadt sei eng, das war mehrfach zu hören. So soll erreicht werden, dass auf den 9500 Quadratmetern Fläche, in die die Objektgesellschaft Großherzog-Friedrich-Höfe nach den Worten von Michael Wenk 40 Millionen Euro investiert, ein innerstädtisches Quartier von hoher Qualität entsteht. Architekt Wolfgang Lorch, dessen Pläne Investoren und Stadt überzeugt hatten, sprach davon, dass man „die Stadt weiterbaue“. Das Saarbrücker Büro Wandel Lorch ist eines von mehreren, die die Stadt und die Investoren aufgefordert hatten, Planungen vorzulegen, die sich neben der Architektur auch mit der Stadtplanung auseinandersetzen.

Die versiegelte Industriebrache soll sich in Richtung Großherzog-Friedrich-Straße, Neugässchen und Mainzer Straße öffnen. Höfe, die hier entstehen sollen, seien tagsüber für alle zugänglich. Parkplätze sind keine vorgesehen; die Autos der Bewohner sollen in eine Tiefgarage. Genauer gesagt: ein Auto pro Bewohner. Mobil bleiben sollen die Menschen, die in den Höfen leben, dennoch. Wolfgang Lorch verwies auf E-Bikes, Ladestationen, Car-Sharing – und auch auf die Bus-/Saarbahnhaltestelle am Landwehrplatz. Zudem, das lobte Investor Michael Wenk als Teil der guten Qualität des Geländes, sei man in fünf Minuten zu Fuß am St. Johanner Markt. Ende 2018 sollen die neuen Besitzer oder Mieter einziehen können, sagten Wenk und Schmeer. Als Baubeginn gaben sie Mitte dieses Jahres an. Die rund 150 Wohneinheiten sollen Größen von 40 Quadratmetern bis 165 Quadratmetern haben. Dadurch habe das Vorhaben „städtebauliche Dimension“, sagte Architekt Wolfgang Lorch. Und betonte, man baue keine Siedlung, sondern lege ein Quartier an. Das sei von außen nicht sichtbar, liege aber sehr prominent in der Stadt.

Zu den Vorleistungen für die Großherzog-Friedrich-Höfe zählte auch die Abstimmung mit dem Denkmalschutz. Denn zwei neue Gebäude, die zu den Großherzog-Friedrich-Höfen zählen, schließen an der Straße ab – und stehen zwischen denkmalgeschützten Häusern. Sie müssen sich also an die Umgebung anpassen. Ein reines Wohngebiet sollen die Höfe nicht werden. Eine gemischte Nutzung ist vorgesehen, zu der auch eine Kindertagesstätte gehören könnte. Nachdem der Bauausschuss in nicht öffentlicher Sitzung über die Pläne für das Citroën-Gelände gesprochen hat, soll der Stadtrat über einen städtebaulichen Vertrag befinden. Den will die Stadt mit den Investoren abschließen. Auf Einzelheiten dazu wird man ebenso warten müssen wie auf die Preise für die Wohnungen in dem neuen Quartier.

Thorsten Schmeer, einer der Investoren, ist derzeit auch an anderer Stelle der Stadt tätig. Auf dem ehemaligen Becolin-Gelände am Römerkastell soll nach Abriss des jetzigen ein neues Gebäude entstehen. Darin, sagte Schmeer gestern auf Nachfrage, sollten überwiegend Büroräume entstehen. Auch von dem ehemaligen Citroën-Gelände müssen vor Baubeginn erst einmal die Werks- und Betriebshallen verschwinden. Mit dem Abriss will die Investorengruppe Mitte Mai beginnen.

Von SZ-Redakteurin Ilka Desgranges, Saarbrücker Zeitung vom 26. Januar 2017

Ein Blick in den Kinosaal des Saarbrücker Filmhauses. Hier soll es wieder etwas voller werden, nicht immer nur mit Kino. Eine Maßnahme: Die Ringvorlesung zieht vom Rathaus in den Saal. Foto: Becker & Bredel

Die jüngste Filmhaus-Rettung

Großer Umbruch beim Saarbrücker Stadtkino, dem die Besucher fehlen

Von Tobias Kessler, Saarbrücker Zeitung, 10. Januar 2017

Das immer wieder bedrohte Saarbrücker Filmhaus ist vorerst gerettet – wenn auch nicht in alter Form. Nach dem Plan von Saarbrückens Kulturdezernent Thomas Brück (Grüne) wird das Amt für kommunale Filmarbeit aufgelöst und der momentane Leiter Michael Jurich ins Stadtarchiv versetzt. Um den Kinobetrieb im großen Saal kümmern sich Camera-Zwo-Leiter Michael Krane und auch Christel Drawer, ehemalige Leiterin des Ophüls-Filmfestivals.

Saarbrücken. Diskutiert und spekuliert wurde seit Monaten: Wird das Saarbrücker Filmhaus, bedroht von stetig sinkenden Besucherzahlen (wir berichteten), seinen Standort in der Mainzer Straße aufgeben und sich in der Camera Zwo einmieten, um dort sein Kunstfilmprogramm zu zeigen? Oder wird es eine Fusion mit dem Kino Achteinhalb geben? Oder übernimmt gar eine private Initiative das Haus und baut es in einen Kulturort um? Nichts davon.

Thomas Brück (Grüne), Kulturdezernent Saarbrückens, legt nun dem Kulturausschuss und danach dem Stadtrat einen Verwaltungsvorschlag vor, der das Filmhaus an seinem Standort in der Mainzer Straße rettet – wenn auch nur noch mit einem Kinosaal, unter anderer Leitung und in anderer Struktur: Die personalintensive und damit teure Konstruktion „Amt für kommunale Filmarbeit“ wird aufgelöst, Kino- und Amtsleiter Michael Jurich, seit 2010 im Filmhaus und zuletzt wegen sinkender Zahlen und spärlicher Kino-Außenwirkung kritisiert, wird ins Stadtarchiv versetzt und mit „audiovisueller Archivarbeit“ betraut, wie Brück sagt. Zwei Verwaltungsstellen im Filmhaus werden innerhalb der Stadt verschoben, für einen technischen Mitarbeiter „zeichnet sich eine Lösung ab“, sagt Brück, zwei Mitarbeiter werden im Kino weiterbeschäftigt. Das Filmamt selbst wird von einem „Sachgebiet Film und Wissenschaft“ abgelöst, das von Christel Drawer im Filmhaus betreut wird, im Kulturamt angesiedelt ist und, das darf man vermuten, weniger kostet. Brück hofft jedenfalls durch die Amtsauflösung auf eine „erhebliche Einsparsumme“. Genaueres will er derzeit nicht beziffern.

Camera Zwo-Leiter kommt

Das Programm des Filmhauses wird anstelle des versetzten Jurichs künftig Camera-Zwo-Leiter Michael Krane verantworten, in Absprache mit Drawer. Geplant ist der Wechsel für April oder Mai. Wie funktioniert die Leitung des städtischen Filmhauses durch den privaten Kinomacher Krane? Die Stadt schließt einen Dienstleistervertrag mit Krane, der für die gesamte Verwaltung des Kinobetriebs verantwortlich ist, erklärt Brück, darunter das Zusammenstellen des Programms, das Bestellen der Filme und die Abrechnungen.

Krane erhält davon als Kostenpauschale von der Stadt eine feste Summe – plus die Einnahmen durch die Karten im Kinosaal. Das sieht Brück durchaus als Anreiz für Krane, die Zuschauerzahlen im Filmhaus zu steigern – auch wenn er ausdrücklich angehalten ist, Anspruchsvolles zu zeigen. Falls Krane allerdings die Quadratur des Kreises gelingen sollte (volle Kinokasse mit Filmkunst), müsse man nicht befürchten, dass die Stadt dabei langfristig leer ausgeht, sagt Brück. „Wir werden mit diesem Konstrukt jetzt einmal ein Jahr arbeiten, dann einen Kassensturz machen und eventuell an der einen oder anderen Schraube justieren.“ Ausgelegt ist der Vertrag zwischen der Stadt und Michael Krane auf fünf Jahre. Das verspricht ebenso eine Langfristigkeit wie die Investition der Stadt und der Hausbesitzer in die Installation eines Aufzugs, der das Filmhaus dann endlich barrierefrei macht. Nach vielen Verschiebungen verspricht Brück, dass man „mit dem Vermieter in intensivem Kontakt“ stehe, „wir sind in der Umsetzung“.

„Schauplatz“ ohne Kino

Der „Schauplatz“, der kleine Kinoraum im Erdgeschoss, wird nicht mehr als Kino genutzt, die Bestuhlung wird herausgenommen, hier sollen zukünftig Lesungen, Kleinkunst, Konzerte stattfinden – Brück hat als mögliche Veranstalter etwa die „Baker Street“ in der Mainzer Straße im Auge oder das Leidinger, „die Stadt selbst wird kein Programm anbieten“. Auch die Hochschule der Bildenden Künste Saar (HBK) soll eingebunden werden, laut Brück laufen Gespräche mit Professorin Gabriele Langendorf und mit Soenke Zehle, dem Leiter des HBK-Instituts K8. „Die stehen bereit und gehen da mit rein“, sagt Brück, etwa um neue digitale Techniken zu zeigen; das Bildungsministerium werde das Ganze finanziell unterstützen. Auch das Ophüls-Festival soll übers Jahr „deutlich präsenter“ sein, mit Vorführungen, Regisseursbesuchen und Ähnlichem. Die von Christel Drawer seit Jahren betreuten „Wissenschaftsreihen“ mit Ringvorlesungen der Stadt ziehen nun vom Rathausfestsaal ins Filmhaus (ohne den 20- Uhr-Kinobetrieb zu stören) – mit einem oft dreistelligen Stammpublikum. Das, so hofft Brück, könnte auf die Idee kommen, „hier mal wieder ins Kino zu gehen“.

Was wird sich ändern?

Was hat nun Krane vor, der erfahrene Kinomacher, der betont, dass er als neuer Verwalter des Filmhauses erst ins Boot kam, als klar war, dass das Amt aufgelöst und Jurich versetzt werden würde? Ersteinmal Konstanz: Spezielle Reihen wie Seniorenkino laufen weiter, der Ticketpreis, zurzeit 6,30 Euro, wird unter dem der anderen Kinos in Saarbrücken bleiben. Was es nicht geben wird, und das hat fast eine symbolische Bedeutung, ist eine Popcornmaschine. „Das passt nicht ins Filmhaus.“ Dessen Programm, das ist die klare Forderung der Stadt, soll anspruchsvoll bleiben. „Weniger mainstreamig als die Camera Zwo“, sagt Krane, der Jurichs Programme als „aus cineastischer Sicht sehr gut“ lobt. Filme im Orginal will Krane weiterhin anbieten, aber „nachfragegerecht“ (also seltener).

Ein festes Monatsprogramm wird es nicht mehr geben, „sonst muss man sechs bis acht Wochen vorher entscheiden, was gespielt wird – das ist viel zu unflexibel“. Das Programmheft des Filmhauses wird mit dem Heft der Camera Zwo zusammengefasst; das schaffe Übersichtlichkeit und könne helfen, dass sich das Publikum gegenseitig befruchtet, wie Krane hofft. Karten fürs Filmhaus wird man bald auch in der Camera Zwo kaufen können. Das Ganze bleibt für Krane ein „stückweit Experimentierfeld. Ich soll den Anspruch erhalten, aber mehr Besucher anziehen – das wird ein BalanceAkt.“

Seine Ideen macht er am Beispiel von „La La Land“ deutlich, dem sicheren ArthouseHit dieses Frühjahrs (siehe Text rechts). Den würde er im Filmhaus nie als Hauptprogramm spielen, weil er zu kommerziell ist und nicht in ein kommunales Kino passt – aber er würde ihn dort immerhin zwei, drei Mal im Original mit Untertiteln zu spielen (während die Synchronisation in der Camera Zwo läuft). So könnte man dieses Publikum rüber ins Filmhaus ziehen. Generell sagt Krane: „Steigende Zahlen kann ich nicht garantieren. Aber dass das Programm anspruchsvoll bleibt, schon.“

MEINUNG

Ende eines Amts

Von SZ-Redakteur Tobias Kessler

Aufatmen – das bedrohte Filmhaus ist für die nächsten Jahre gerettet. Grundsätzlich muss man die Ideen begrüßen, auch wenn manches noch vage klingt – die Kleinkunst etwa im „Schauplatz“. Beruhigend ist, dass mit Michael Krane ein erfahrener Kinomann einsteigt. Er verspricht Kontinuität in der Qualität und hält die Erwartungen auf steigende Zahlen niedrig.

Was aber die Frage aufwirft, warum die Stadt den bisherigen Leiter Michael Jurich, dessen Programm rundweg gelobt wurde, letztlich versetzt: Qualität im Programm bot er ja. Es lag wohl am Eindruck, dass er den dramatischen Zuschauerzahlen des Kinos tatenlos zusah. Vielleicht wollte die Stadt gleichzeitig die teure Konstruktion des Amts für kommunale Filmarbeit abwickeln, ein Relikt aus rosigeren Kino- und Haushaltszeiten.

Kritik an Jurich, was das Bemühen um mehr Publikum angeht, ist berechtigt – dass er stets ein ambitionierten Programm bot, sollte man am Ende aber nicht vergessen.

 

Saarbrücker Fraktionen reagieren auf Brücks Filmhaus-Pläne

Saarbrücker Zeitung vom 11 Jan 2017

Saarbrückens Kulturdezernent Thomas Brück (Grüne) hat ein Konzept zur Rettung des Filmhauses vorgelegt: Das Amt für kommunale Filmarbeit wird aufgelöst, der Leiter versetzt; um Programm und Verwaltung kümmern sich künftig im Auftrag der Stadt Camera-Zwo-Leiter Michael Krane und Christel Drawer, frühere Leiterin des Ophüls-Festivals. Auf das Konzept, das wir in der gestrigen Ausgabe vorgestellt haben, hat nun die lokale Politik reagiert.

Saarbrücken. Das Konzept von Saarbrückens Kulturdezernent Thomas Brück (Grüne), mit dem er das bedrohte Filmhaus retten will (wir berichteten), hat unterschiedliche Reaktionen hervorgerufen. Die SPD-Kulturpolitikerin Josephine Ortleb kündigte gestern an, die Stadtratsfraktion werde das neue Konzept unterstützen. Das Filmhaus müsse „nun aus seinem Dornröschenschlaf geweckt“werden.

Kritischer äußert sich der Koalitionspartner im Stadtrat, die Linksfraktion. Deren kulturpolitischer Sprecher Lothar Schnitzler sagte, Brück habe „den Medien bereits ein Konzept verkauft, bevor in den Fraktionen oder in der Koalition darüber diskutiert werden konnte“. Auch den Vorschlag Brücks, Programm und Verwaltung des städtischen Kinos von Camera-Zwo-Leiter Michael Krane im Auftrag der Stadt durchführen zu lassen, kritisiert die Linke: Eine „Privatisierung oder Teilprivatisierung des Filmhauses mit all den damit verbundenen Unwägbarkeiten“sei mit ihr „nicht zu machen“.

Die Grünen-Stadtratsfraktion befürwortet das Konzept von Grünen-Dezernent Brück, fordert aber auch eine Neugestaltung des Hauses selbst. Die „stark in die Jahre gekommene Immobilie“, sagte die kulturpolitische Sprecherin Britta Planz, brauche „dringend einige äußerliche Überarbeitungen, in welche man dann auch die Barrierefreiheit miteinbeziehen“müsse.

Die CDU-Stadtratsfraktion begrüßt das Konzept, nachdem die Stadtverwaltung in Sachen Filmhaus „viel zu lange tatenlos zugeschaut“habe und „zudem noch beratungsresistent“gewesen sei, wie die kulturpolitische Sprecherin Elke Masurek mitteilte. Die Verwaltung müsse „schnellstmöglich“erklären, „was das neue Modell kostet“. Zudem forderte Masurek Brück auf, „endlich einen Kulturentwicklungsplan für die Landeshauptstadt Saarbrücken zu erstellen und dem Kulturausschuss vorzulegen“. red

Das Filmhaus-Konzept unter kinoblog.sz-ticker.de