{"id":1250,"date":"2016-09-17T08:08:30","date_gmt":"2016-09-17T06:08:30","guid":{"rendered":"http:\/\/mainzerstrasse.saarland\/wordpress\/?p=1250"},"modified":"2016-09-17T08:08:30","modified_gmt":"2016-09-17T06:08:30","slug":"filmhaus-gedankenspiele-eines-kulturdezernenten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/mainzerstrasse.saarland\/wordpress\/2016\/09\/17\/filmhaus-gedankenspiele-eines-kulturdezernenten\/","title":{"rendered":"Filmhaus: Gedankenspiele eines Kulturdezernenten"},"content":{"rendered":"<h3><strong>Wie es mit dem in der Krise steckenden Saarbr\u00fccker Filmhaus weitergehen k\u00f6nnte<\/strong><\/h3>\n<p><strong>M\u00e4\u00dfige Besucherresonanz, mangelndes Profil, hohe Mietkosten und dazu die teure Filmamt-Konstruktion: Das Saarbr\u00fccker Filmhaus ger\u00e4t ins Visier der Lokalpolitik. Gestern stellte der Kulturdezernent seine Gedankenspiele vor.<\/strong><\/p>\n<p>Von SZ-Redakteur Christoph Schreiner, Saarbr\u00fccker Zeitung 16 Sep 2016<\/p>\n<p><strong>Saarbr\u00fccken.<\/strong> Schon vor der gestrigen Saarbr\u00fccker Kulturausschuss-Sitzung wusste Kulturdezernent Thomas Br\u00fcck (Gr\u00fcne), dass es f\u00fcr ihn, wie er vorab eingestand, diesmal \u201eziemlich stressig\u201cwerden w\u00fcrde. Hat Br\u00fcck doch auch ein Jahr nach Amtsantritt immer noch kein dezidiertes Zukunftskonzept f\u00fcr das kommunale Kino \u201eFilmhaus\u201cvorgelegt. Dabei ist allen Stadtratsfraktionen und selbst Film-Enthusiasten klar, dass es nicht weitergehen kann wie bisher. Weder mit der deutschlandweit ziemlich einmaligen, kostspieligen Konstruktion eines eigenen \u201eAmtes f\u00fcr kommunale Filmarbeit\u201cnoch damit, dass der erhebliche Besucherschwund des Hauses weiterhin nur hingenommen wird. Zuletzt kamen nicht einmal mehr 18 000 Besucher im Jahr, im Schnitt also weniger als 50 pro Tag. Und das bei t\u00e4glich mindestens vier Filmen.<\/p>\n<p>Als Michael Jurich im Februar 2010 Nachfolger des Filmhausund Oph\u00fcls-Festivalgr\u00fcnders Albrecht Stuby wurde, hatte der sich gerade zum Jahreswechsel mit einer Bilanz von 30 000 Besuchern in den Ruhestand verabschiedet. In Stubys gloriosesten Zeiten waren es mal 60 000 gewesen. Aus dem Schatten Stubys ist Jurich nie herausgetreten. K\u00f6nnte sein, dass sein Vorg\u00e4nger aus Denkmalpflege in eigener Sache genau das beabsichtigt hatte, als er damals von den elf eingeladenen Bewerbern Jurich empfahl. Wenn sich seinem Erben etwas nicht nachsagen l\u00e4sst, dann ein kreatives Interesse an mehr Publikumsresonanz. \u00dcber die Jahre entstand der Eindruck, dass Jurich (durch und durch Cineast, fachlich beschlagen) zwar an ambitionierten Programmen bastelte, aber wenig Energie darauf verwendete, den zahlenm\u00e4\u00dfigen Niedergang des Hauses aufzuhalten. Umso mehr ist dies nun seinem Vorgesetzten Br\u00fcck aufgetragen.<\/p>\n<p>Und so hat dieser, bislang als st\u00e4dtischer Kulturverweser selbst reichlich blass geblieben, gestern nun immerhin mehrere Rettungsoptionen f\u00fcr das Filmhaus im Kulturausschuss vorgestellt. Drei Konsolidierungswege sieht er, denen eines gemeinsam ist: der rotstiftgetriebene Plan, das Amt f\u00fcr kommunale Filmarbeit (3,5 Planstellen) aufzul\u00f6sen. Quer durch alle Stadtratsfraktionen d\u00fcrfte dies mitgetragen werden. Schwieriger gestaltet sich die Frage, ob das Kino am angestammten Ort weitergef\u00fchrt werden oder \u2013 Br\u00fccks favorisierte L\u00f6sung \u2013 in einer Rumpfversion Einzug halten soll in dem kommerziell betriebenen Saarbr\u00fccker Arthouse-Kino Camera Zwo, das schon in der Sp\u00e4tphase Stubys den Filmhausstern tr\u00fcbte und sinken lie\u00df. Br\u00fcck schwebt vor, dass Filmhausleiter Jurich dort k\u00fcnftig alternierend ein bis zwei S\u00e4le mit seinem klassischen kommunalen Kunstfilmprogramm bespielen k\u00f6nnte. Vorverhandelt ist das Ganze schon mit Camera ZwoChef Michael Krane, der eine feste Saalmiete bek\u00e4me. Allerdings hat die Sache einen dicken Haken, der Br\u00fccks mangelnde Professionalit\u00e4t offenbart: Bis heute ist ungekl\u00e4rt, ob die Camera Zwo barrierefrei umzubauen ist. Das aber w\u00e4re unerl\u00e4sslich. Steht doch bereits der jetzige Standort zurecht unter Thomas Br\u00fcck Dauerbeschuss der Behindertenverb\u00e4nde, nachdem die klamme Stadt seit Jahren aus Kostengr\u00fcnden die Realisierung eines Au\u00dfenaufzug am Filmhaus verschleppt.<\/p>\n<p>Auch Br\u00fccks zweites Gedankenspiel ist unausgereift: Die Idee, seinen Kino-Problemfall mit dem h\u00e4lftig von Land und Stadt budgetierten Kino Achteinhalb zu fusionieren, findet dort wenig Gegenliebe. Zu gro\u00df ist die Angst der Achteinhalb-Macher, ihr dank diverser Reihen und Kooperationspartner klar profiliertes Filmwohnzimmer-Juwel \u2013 faktisch l\u00e4ngst ein zweites kommunales Kino \u2013 k\u00f6nnte im Falle einer Zusammenlegung (auch personell mit Jurich) seine Identit\u00e4t einb\u00fc\u00dfen. Zudem m\u00fcsste eine beide Kinos umfassende neue Vereinsstruktur gefunden werden, in die auch Jurich neu einzubetten w\u00e4re. Fraglich ist, was eine Fusion von Achteinhalb und Filmhaus unter Erhalt beider H\u00e4user \u00fcberhaupt an Einspareffekten br\u00e4chte. Scheint doch unstrittig, dass die Fraktionen an der (im Mai an eine Privatgesellschaft verkauften) Immobilie in der Mainzerstra\u00dfe h\u00e4ngen und sie als Kulturort offenbar erhalten wollen. Bliebe folglich als drittes, gestern von Kulturdezernent Br\u00fcck im Kulturausschuss vorgestelltes Szenario eine abgespeckte Business-asusual-L\u00f6sung: Jurich bespielt nur noch den gro\u00dfen Saal, w\u00e4hrend die \u00fcbrigen beiden Mini-Abspielst\u00e4tten (Schauplatz\/Galerie) kulturell von privater Seite anderweitig genutzt werden k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>\u00dcber ein viertes, prinzipiell denkbares Szenario ist bislang offiziell nichts zu h\u00f6ren: Jurich im Zuge der absehbaren FilmamtAbwicklung wom\u00f6glich in ein anderes Amt zu versetzen. Wollte man das Filmhaus zum Kulturzentrum ausbauen, w\u00e4re Jurich der falsche Mann. Klar ist: Kulturdezernent Br\u00fcck muss nun liefern. Unausgegorene Optionen reichen nicht. Wie w\u00e4r\u2019s mit der Kl\u00e4rung der Grundfrage, was das Filmhaus \u00fcberhaupt leisten soll?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie es mit dem in der Krise steckenden Saarbr\u00fccker Filmhaus weitergehen k\u00f6nnte M\u00e4\u00dfige Besucherresonanz, mangelndes Profil, hohe Mietkosten und dazu die teure Filmamt-Konstruktion: Das Saarbr\u00fccker Filmhaus ger\u00e4t ins Visier der Lokalpolitik. Gestern stellte der Kulturdezernent seine Gedankenspiele vor. 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