{"id":809,"date":"2016-07-31T10:45:41","date_gmt":"2016-07-31T08:45:41","guid":{"rendered":"http:\/\/mainzerstrasse.saarland\/wordpress\/?p=809"},"modified":"2016-07-31T10:45:41","modified_gmt":"2016-07-31T08:45:41","slug":"jens-jakob-die-gesamte-sterne-kueche-kaempft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/mainzerstrasse.saarland\/wordpress\/2016\/07\/31\/jens-jakob-die-gesamte-sterne-kueche-kaempft\/","title":{"rendered":"Jens Jakob: \u201eDie gesamte Sterne-K\u00fcche k\u00e4mpft\u201c"},"content":{"rendered":"<p><strong>Ein Bild aus gl\u00fccklicheren Tagen: Spitzenkoch Jens Jakob (r.) und Hotelier Gerd Leidinger.<\/strong> Foto: Konrad<\/p>\n<h3>Warum der Saarbr\u00fccker Spitzenkoch Jens Jakob sein Restaurant schlie\u00dfen muss<\/h3>\n<p>Von Oliver Schwambach, Saarbr\u00fccker Zeitung 29. Juli 2016<\/p>\n<p><strong>Die Saar-Spitzengastronomie wird \u00e4rmer: Sterne-Koch Jens Jakob sperrt zum 31. Juli sein Saarbr\u00fccker Restaurant im Hotel Leidinger zu. Aus wirtschaftlichen wie privaten Gr\u00fcnden. Dabei galt der heute 43-J\u00e4hrige lange als der \u00dcberflieger der Gastroszene hier. In nur wenigen Jahren erkochte er sich zwei Michelin-Sterne.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Saarbr\u00fccken.<\/strong> \u201eHeute kann ich selbst kaum glauben, dass ich mal in einem Zwei-Sterne-Restaurant gekocht habe\u201c: Beinahe atemlos sagt das Jens Jakob. Dass er jetzt \u201eJens Jakob\/Das Restaurant\u201c im Saarbr\u00fccker Hotel Leidinger zusperren muss, bringt ihm nun zwangsweise Zeit zum Durchatmen. Offiziell ist das Monatsende der letzte Tag f\u00fcr Jakob und seine 22 Besch\u00e4ftigten. Aber schon diesen Samstag wird letztmals im Restaurant in der Mainzer Stra\u00dfe aufgetischt. \u201eWirtschaftliche Gr\u00fcnde\u201c h\u00e4tten ihn nun zum Aufgeben gezwungen, erkl\u00e4rt Jakob. Er hat private Insolvenz angemeldet. \u201eDie Jens Jakob Gourmet World betrieben durch die Le Noir UG wird am 31. Juli schlie\u00dfen\u201c, hei\u00dft das im Juristen-Deutsch. Zu Jakobs \u201eGourmet World\u201c z\u00e4hlte auch eine Kochschule. Zudem hat er das zweite Restaurant im Leidinger, das \u201es&#8217;Olivo\u201c, und die \u201eL-Bar\u201c mitbetrieben.<\/p>\n<p>Dass es in seinem Gourmetrestaurant kriselt, ist nicht neu. Bereits im April war die Firma \u201eLe Noir\u201c insolvent. Jakob aber probierte den Neustart. \u201eDoch es ist nicht gelungen, das Gesch\u00e4ft zu konsolidieren\u201c, sagt der 43-J\u00e4hrige. Er habe alles versucht. Beim TV-Sender \u201eVox\u201c in der Kochshow \u201eGame of Chefs\u201c mitgewirbelt, f\u00fcr \u201eSky\u201c ein \u201eRiesen-Casting\u201c gemacht, \u201ealles in der Hoffnung, den Namen bekannter zu machen und so den Gourmetbereich wieder anzuheizen\u201c. Aber selbst diese Kraftakte halfen nicht.<\/p>\n<p>Erstaunlich eigentlich. Denn wer versuchte, samstagabends etwa bei Jakob einen Tisch zu ergattern, wurde meist vertr\u00f6stet. \u201eUnter der Woche waren aber oft nur wenige Zweier-Tische besetzt\u201c, erkl\u00e4rt der Gastronom. Zu wenig Umsatz f\u00fcr das personalintensive und auf teuerste Zutaten angewiesene Gesch\u00e4ft Top-Gastronomie.<\/p>\n<p>An der Qualit\u00e4t lag&#8217;s definitiv nicht. Obwohl Jakob zuletzt sogar seine beiden Michelin-Sterne, die er f\u00fcr das Restaurant \u201eLe Noir\u201c erkocht hatte, zur\u00fcckgab und mit kosteng\u00fcnstigerer K\u00fcche weitermachen wollte, dekorierte ihn der Gastrof\u00fchrer Guide Michelin wieder mit einem Stern. \u201eIch konnte einfach nicht schlechter kochen\u201c, entschuldigt sich Jakob fast. Kenner der hiesigen Gastroszene halten ihm allerdings vor, er habe sich nicht konsequent aufs Schlichtere eingelassen; Schmalhans als K\u00fcchenmeister, das passt einem Spitzenkoch wohl nicht.<\/p>\n<p>Das jedoch ist nur einer von etlichen Gr\u00fcnden. Jakob ist \u00fcberzeugt: \u201eDie gesamte Sterne-K\u00fcche in Deutschland k\u00e4mpft ums \u00dcberleben.\u201c Hauptursache daf\u00fcr sei der drastische R\u00fcckgang der Gesch\u00e4ftsessen. Die meisten Unternehmen untersagen ihren Mitarbeitern mittlerweile kostspieliges Tafeln. Gleich, ob man einl\u00e4dt oder eingeladen wird. Allein mit privaten G\u00e4sten k\u00f6nne aber kaum ein Sterne-Betrieb funktionieren, meint Jakob. Und in der Tat kriselt es bei etlichen deutschen Spitzen-K\u00f6chen; Meldungen \u00fcber Top-Chefs, die pl\u00f6tzlich \u2013 wenn auch veredelte \u2013 Burger servieren, mehren sich.<\/p>\n<p>Doch auch der private Gast sei des einst so gesch\u00e4tzten Luxuszeremoniells in der Spitzengastronomie \u00fcberdr\u00fcssig, hat Jakob beobachtet. Lecker, locker und nicht zu teuer soll es nun sein. Blo\u00df viele seiner Kollegen, wie auch er selbst, h\u00e4tten darauf noch nicht die Antwort parat. Er jedenfalls sah jetzt keine Chance mehr, das Ruder rumzurei\u00dfen. Er zieht sich jetzt zur\u00fcck, will sich mehr um seinen kleinen Sohn k\u00fcmmern. Auch private Gr\u00fcnde f\u00fchrten also zu dem harten Schnitt. \u201eAber ich kehre irgendwann in die Gastronomie zur\u00fcck. Ideen gibt es genug\u201c, verspricht er. Und sein langj\u00e4hriger K\u00fcchenchef und Freund Peter Wirbel werde nun die Meisterschule besuchen.<\/p>\n<p>Dass Jakob mal eine Pause braucht, verwundert kaum. Sein Aufstieg war fast zu rasant. 2007 er\u00f6ffnete er \u2013 auch in der Mainzer Stra\u00dfe \u2013 das \u201eLe Noir\u201c. Sozusagen in Rufweite seines Lehrmeisters, des Drei-Sterne-Chefs Klaus Erfort. Jakob erkochte f\u00fcr das \u201eLe Noir\u201c erst einen, 2013 den zweiten Michelin-Stern. Die er 2014 erstmal wieder verlor, weil er mit seinem Restaurant ins wenige Meter entfernte Hotel Leidinger umzog. Nur wenige Monate sp\u00e4ter hatte Jakob seine Sterne wieder.<\/p>\n<p>F\u00fcr das Hotel Leidinger bef\u00fcrchtet Inhaber Gerd Leidinger nun keine Probleme. Im \u201es&#8217;Olivo\u201c gehe es ja nahtlos weiter. Markus Wend, seit zwei Jahren dort K\u00fcchenchef, f\u00fchre das Restaurant fort. Und die R\u00e4ume, die nun durch Jakobs Gourmetbereich frei werden, nutze man, um das Fr\u00fchst\u00fccks- und Mittagsangebot auszuweiten.<\/p>\n<p>F\u00fcr das Saarland allerdings ist Jakobs Aufgabe schon ein herber Verlust. Wirkte bei den oft sehr angestrengten Image-Klimmz\u00fcgen des Landes die Luxus-Gastronomie doch wie eine Dopingkur. Nun h\u00e4ngen im Gourmet-Himmel des Saarlands ohne Jakob immer noch etliche Sterne; vor allem dank der beiden Drei-Sterne-H\u00e4user von Klaus Erfort in Saarbr\u00fccken und Christian Bau in Perl. Jene Sterne aber \u00fcber Jakobs hoch kreativer K\u00fcche funkelten doch ganz besonders hell.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Bild aus gl\u00fccklicheren Tagen: Spitzenkoch Jens Jakob (r.) und Hotelier Gerd Leidinger. Foto: Konrad Warum der Saarbr\u00fccker Spitzenkoch Jens Jakob sein Restaurant schlie\u00dfen muss Von Oliver Schwambach, Saarbr\u00fccker Zeitung 29. 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